Polizei entdeckt gestohlenes Kunstwerk: „Trauerndes Kind“ kehrt nach Harburg zurück
Helena Kamp vom Landeskriminalamt (v.l.), Christian Carstensen, Pastorin Sabine Kaiser-Reis und Mike Rabe von der Gießerei Edel & Stahl präsentierten die beiden Teile der Skulptur im Sitzungssaal des Harburger Rathauses. Foto: Christian Bittcher
Helena Kamp vom Landeskriminalamt (v.l.), Christian Carstensen, Pastorin Sabine Kaiser-Reis und Mike Rabe von der Gießerei Edel & Stahl präsentierten die beiden Teile der Skulptur im Sitzungssaal des Harburger Rathauses. Foto: Christian Bittcher
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Polizei entdeckt gestohlenes Kunstwerk: „Trauerndes Kind“ kehrt nach Harburg zurück

Harburg – Der Diebstahl von zwei bekannten Harburger Bronzestauten hat vor fast genau einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt: Die beiden fest im Erdreich verankerten Bronze-Skulpturen „Trauerndes Kind“ und das „Blumenmädchen“ wurden entwendet.

Nun die gute Nachricht: Die Bronzeskulptur „Trauerndes Kind“ von Hendrik-André Schulz konnte von der Polizei sichergestellt und in dieser Woche an das Bezirksamt Harburg übergeben werden. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde Harburg-Mitte werden nun die nächsten Schritte vorbereitet, um die beschädigte Skulptur nach ihrer Restaurierung wieder an ihren ursprünglichen Standort zurückzubringen.

Der Diebstahl der Skulptur im vergangenen Jahr hatte in Harburg große Betroffenheit ausgelöst. Umso größer ist nun die Erleichterung über ihre Wiederauffindung. Das Landeskriminalamt der Polizei Hamburg konnte das Kunstwerk auf der Veddel im Winter 2025 sicherstellen. Obwohl die Statue erhebliche Beschädigungen aufweist, besteht die Möglichkeit, die Skulptur fachgerecht zu restaurieren. Kostenpunkt: etwa 5500 Euro.

Während der Schaden durch den Diebstahl riesengroß ist, wäre der Erlös für die Diebe durch den Verkauf des Metalls eher gering: Lediglich 500 bis 700 Euro hätte der Verkauf des Metalls eingebracht.

Bezirksamtsleiter Christian Carstensen: „Das Trauernde Kind, als kleine, auf dem Boden kniende Figur, hat rund vierzig Jahre lang dem vermeintlich starken Großmachtstreben ein berührendes Zeichen entgegengesetzt. Umso bestürzender war der Diebstahl vor fast genau einem Jahr. Der Fahndungserfolg der Hamburger Polizei ist daher gar nicht hoch genug einzuschätzen. Allen Beteiligten danke ich sehr für ihren erfolgreichen Einsatz. Nach der Reparatur wird das Bezirksamt die Figur gemeinsam mit der Kirchengemeinde Harburg-Mitte zügig wieder an ihren Platz bringen. Dann wird im Harburger Zentrum wieder für alle Menschen sichtbar sein, dass Krieg, Hass und Hetze stets zu Elend und Verzweiflung führen.“

Helena Kamp, Landeskriminalamt: „Das Verfahren wurde mir im Rahmen meiner Zuständigkeit als Sachbearbeiterin für Kunstdelikte beim LKA19 zugeschrieben. Wir sind eine kleine Einheit von Ermittlern, die sich neben der Sachbearbeitung von Wohnungseinbruch mit Kunst- und Kulturgutdelikten beschäftigt. Hierfür sind wir eng mit anderen Behörden und den zuständigen Dienststellen in den anderen Bundesländern vernetzt und tauschen uns über das Thema regelmäßig und aktiv aus.“

Außerdem sagte die Expertin: „Leider kommt es häufiger vor, dass Statuen aus dem öffentlichen Raum entwendet werden. Da es die Täter oft nur auf den Materialwert abgesehen haben und der künstlerische Wert sowie die Bedeutung dieser Statuen im Hintergrund stehen, entstand schon zuvor eine engere Zusammenarbeit mit möglichen Endabnehmern. So war es uns bereits möglich letztes Jahr eine Statue, die in Schweden (Malmö) entwendet wurde, wiederaufzufinden und aushändigen zu können. Anfang dieses Jahres nahm einer dieser Endabnehmer Kontakt zu uns auf und teilte mit, dass Mitarbeiter die Statue (leider in zwei Teilen) aufgefunden haben. Täter konnten bisher noch nicht ermittelt werden.“

Pastorin Sabine Kaiser-Reis:Wir, der Kirchengemeinderat der Ev. – Luth. KG Harburg-Mitte, freuen uns, dass die entwendete Skulptur wiederaufgefunden wurde. Und wir sind froh darüber, dass die Harburgerinnen und Harburger mit dem ‚Trauernden Kind‘ demnächst wieder ein zum Nachdenken anregendes Denkmal haben werden.“

Hintergrund

Die rund 90 Zentimeter hohe und etwa 100 Kilogramm schwere Skulptur des Künstlers Hendrik-André Schulz wurde 1988 im Rahmen eines Wettbewerbs zur Umgestaltung des bestehenden Kriegerdenkmals geschaffen. Gemeinsam mit der Skulptur „Harburger Soldat“ bildet sie vor der St. Johanniskirche an der Bremer Straße ein Mahnmal gegen Krieg und Gewalt.

Das kniende, weinende Kind inmitten zerschossener Soldatenhelme macht eindrucksvoll sichtbar, dass Kriege nicht nur Soldatinnen und Soldaten, sondern ebenso Kinder, Familien und alle Hinterbliebenen zu Opfern machen. Auf Initiative des Friedenspolitischen Zentrums Harburg entstand damit ein Ort des Erinnerns, des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit den Folgen von Krieg.

Die Figur ist Teil des Harburger Kunstpfades, der insgesamt 26 Kunstwerke im öffentlichen Raum umfasst und Kunst für alle Menschen unmittelbar erlebbar macht. Seit ihrer Aufstellung gehört das „Trauernde Kind“ zu den prägenden Kunstwerken im Bezirk und ist zugleich ein bedeutender Erinnerungsort.

Die Gießerei Edel und Stahl hat bereits ihre Bereitschaft erklärt, die notwendigen Restaurierungsarbeiten zu übernehmen und damit einen wichtigen Beitrag zur Rückkehr des Denkmals nach Harburg zu leisten.
Parallel dazu arbeitet das Bezirksamt Harburg gemeinsam mit der Kirchengemeinde Harburg-Mitte an den Vorbereitungen für die Wiederaufstellung. Und die soll, so Carstensen, noch in diesem Jahr stattfinden.

Die Bronzeskulptur vor dem Diebstahl. Foto: zv

Die beschädigte und in zwei Teile geschnittene Skulptur. Foto: cb