Langenbek - "Ich habe immer gemalt, um Anderen eine Freude zu machen und die Bestätigung zu bekommen, dass es ein schönes Bild ist." Helga Gehr lächelt verschmitzt. Die 82-Jährige schwerkranke Hobbymalerin ist Gast im DRK-Hospiz für Hamburgs Süden. Und hat in ihrem Zimmer überall ihre Malutensilien und kleine Staffeleien aufgebaut. 30 ihrer Bilder sind jetzt im Hospiz ausgestellt. "Gegen eine Spende gebe ich sie gerne ab", so Helga Gehr.

Sie malt seit Kindertagen. "Meine Mutter hat, wie wahrscheinlich viele Eltern, die Bilder aufbewahrt, die ich als Kind gemacht habe. Ehrlich gesagt: Eine besondere Begabung kann ich bei mir nicht feststellen, aber ich habe es immer unwahrscheinlich gerne gemacht", erzählt Helga Gehr und lächelt wieder. Über drei Jahrzehnte besuchte sie eine Malschule in Bendestorf: "Dort habe ich viel gelernt über Bildaufbau oder Schattenwurf." Lange hat sie Aquarelle gemalt, seit einigen Jahren verwendet sie beim Malen die Enkaustik-Technik. "Dafür benutzt man Wachsfarben, deren Pigmente erhitzt werden. Die Farben zerfließen beinahe zufallsabhängig ineinander, das hat mich gereizt", erklärt sie.

Helga Gehr ist in Rotherbaum geboren. Nach Harburg kam sie, als ihr Ehemann, ein Lehrer, beim Friedrich-Ebert-Gymnasium anfing. "Jeden Morgen fuhr er mit dem Auto zur Schule, jeden Morgen waren bei dem Opel Kadett die Zündkerzen nass. Irgendwann hat er gesagt: ´Schluss mit der Fahrerei, wir ziehen da jetzt hin.' Nach einer Tour durch die Harburger Berge habe ich zugestimmt", blickt Helga Gehr zurück.

Seitdem lebt sie in Eißendorf. Noch bis vor einem Jahr hat die ausgebildete Sekretärin bei einem Verlag gearbeitet. Seit Oktober ist alles anders.
"Ich bin mit meinem Mann zusammen ins Hospiz gekommen, wir hatten zeitgleich eine Diagnose und entsprechende Therapien absolviert. Nach einem langen Gespräch mit Dr. Lenzen und dem Palliativ Care Team vom DRK war klar, dass wir zu Hause nicht bleiben können. Unsere Ziehtochter kümmert sich sehr, sie ist immer unser größtes Glück gewesen. Aber diese Pflege ist zu viel. Deshalb ist das jetzt hier mein letztes Zuhause."

Ihre Bilder hat Helga Gehr zum Teil mitgenommen. "Jutta, eine Ehrenamtliche, hat sie gesehen und gesagt:, Die gehören an die Wand und nicht in den Schrank."` Dank der Unterstützung von Hospizleiterin Britta True und Sozialpädagogin Simone Bärbig hängen jetzt 30 gerahmte Motive an den Wänden, die bei einer internen Vernissage den Gästen und Angehörigen präsentiert wurden.

"Es klingt so schrecklich, aber ich betrachte es als Glück, dass ich jetzt hier bin", sagt Helga Gehr. "Es war die einzig richtige Entscheidung. Hier werde ich mit Liebe versorgt und in den Arm genommen." Nach 55 Jahren Ehe ist ihr Mann am 15. November im Hospiz gestorben. "Aufs Beste betreut", wie sie betont. "Erst wollte ich sofort sterben, jetzt würde ich gern noch sehen, wie der Hospiz-Garten im Frühling aussieht. Ich freue mich jeden Tag an den Blumen, die mir meine Familie aus unserem Garten hier eingepflanzt hat und beobachte den Vogelkasten, den mir Freunde geschenkt haben."

Und nicht nur das: Sie malt. Fast jeden Tag. Helga Gehrs Bilder stehen zum Kauf zur Verfügung. Der Erlös geht als Spende an das Hospiz. Die Motive sind mit einem Klick hier zu sehen.