Harburg – Große Freude herrscht derzeit an zwei Harburger Gymnasien: Wie berichtet gehören das Friedrich-Ebert-Gymnasium und das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium zu den vier Preisträgern, die in diesem Jahr mit dem Bertini-Preis 2021 ausgezeichnet wurden.

Bereits zum 24. Mal wurden 37 Jugendliche in Hamburg am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, mit dem Bertini-Preis ausgezeichnet. Die Preisverleihung wird pandemiebedingt erst am 8. Mai stattfinden. Heute stellen wir die beiden ausgezeichneten Projekte genauer vor.

Alexander-von-Humboldt-Gymnasium
Bereits zum sechsten Mal gab es den Bertini-Preis für Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums. Ausgezeichnet wurden die Spurensuche nach vergangenem Unrecht und der Einsatz für ein gleichberechtigtes Miteinander.

Die 17 Oberstufenschüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums widmeten sich in einem Theaterprojekt (Foto oben) rassistisch motivierten Gewalttaten der jüngsten Vergangenheit, um auf die Notwendigkeit aufmerksam zu machen, auch in der Gegenwart proaktiv gegen Rassismus und Diskriminierung vorzugehen.

Kassel – Halle – Hanau. Drei Orte als Chiffren für rassistisch motivierte Anschläge der jüngsten Vergangenheit, die innerhalb von nur acht Monaten das Land erschütterten – zumindest für kurze Zeit. „Rassismen existieren, verlieren aber an Aufmerksamkeit, weil sie Gefahr laufen,, normal‘ zu werden“, sagt Ibrahim Mahmood, 17, Oberstufenschüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums.

Das Theaterprojekt erlebte seine Premiere bei der zentralen Auftaktveranstaltung der „Harburger Gedenktage 2021“. Nach den Szenen war es mucksmäuschenstill im Publikum des Harburger Rathauses – bevor tosender Applaus aufbrauste. Mit diesem Theaterprojekt werben die Schüler eindringlich für ein friedvolles und gleichberechtigtes Miteinander.

Friedrich Ebert-Gymnasium
21 Schüler des jetzigen 11. Jahrgangs des Friedrich-Ebert-Gymnasiums brachten die Kindheitsgeschichte der Holocaust-Überlebenden Marione Ingram als Theaterstück auf die Bühne, wandelten es coronabedingt in eine Film-Collage um und konzipierten und gestalteten die mittlerweile vergriffene deutsche Ausgabe von Marione Ingrams Buch „Kriegskind – eine jüdische Kindheit in Hamburg“ als kommentierte Schulbuchausgabe.

„Alles begann im Mai 2019 damit, dass eine der damaligen 8. Klassen des Gymnasiums in Heimfeld sich im Theater-Unterricht als Projektthema Antisemitismus und Nationalsozialismus wünschte“, erinnert sich Michael Milde, Fachleitung Theater und Russisch am Friedrich-Ebert-Gymnasium.
Zur gleichen Zeit war die Shoa-Überlebende Marione Ingram gerade in Hamburg und las der 8. Klasse im Deutschunterricht aus ihrem Buch „Kriegskind, eine jüdische Kindheit in Hamburg“ vor.

Erst war es für die jungen Menschen kaum zu fassen, dass eine Holocaust-Überlebende ausgerechnet sie besuchte. Doch schnell kamen interessierte, zuweilen ganz persönliche Fragen, die Marione Ingram alle offen beantwortete.

Michael Milde:Aus dieser ersten Begegnung wurde im Verlauf der folgenden zwei pandemieüberschatteten Jahre eine Staffelübergabe der Zeuginnenschaft. Denn aufgrund der Pandemie hat die Gruppe die Szenen nicht wie geplant für die Bühne, sondern mit der Unterstützung des Hamburger Filmemachers Thomas Oswald als Video umgesetzt. So konnten sie auch die Ausschnitte aus den Zoom-Interviews, die Schüler mit Marione Ingram in Washington D. C. im Lockdown gemacht hatten, integrieren.“ Der Film liegt nun öffentlich zugänglich auf dem schuleigenen YouTube-Kanal

Eine zweite Gruppe nahm sich das Buch vor und erarbeitete eine Spezialausgabe mit ergänzendem Material aus und für den Unterricht. „Vorerst konnte nur eine kleine Auflage speziell für den Unterricht am Friedrich-Ebert-Gymnasium gedruckt werden. Aber das gesamte Projekt wurde glücklicherweise mit dem Bertini-Preis ausgezeichnet“, sagt Milde. Es besteht jetzt die Hoffnung, dass die nun vorliegenden Ergebnisse und die Auszeichnung eine breitere Öffentlichkeit finden, damit perspektivisch auch andere Hamburger Schulen mit dem Buch im Unterricht arbeiten können.

 (cb)

Einige der Preisträger und Lehrer des FEG mit der Schulausgabe des Buchs „Kriegskind". Christoph Posselt (von links), Lena Schimmelmann, Michael Milde, Hanna Sollböhmer, Ewa Michalak, Lintaro Schimmel, Stefanie Engel und Hugo Dunkel. Foto: FEG