Harburg – Früher eine ganz normale Sache – Heute nennt man sowas ein Löschevent: Nach sechs Monaten und ungefähr 13.000 Seemeilen legte das Frachtsegelschiff „AVONTUUR“ am Freitag am Lotsekai im Harburger Binnenhafen an.  An Bord hatte das Schiff 60 Tonnen Ladung – zum Großteil Gin und Kaffee aus Nicaragua, die gelöscht werden mussten. Es war die sechste Reise dieser Art des 1920 gebauten Segelschiffs. Das Entladen fand zum ersten Mal in Harburg statt.

Beim Löschen der Ladung halfen rund 30 freiwillige „Schauerleute“ mit. Vor der Arbeit musste vor Ort ein Corona-Test gemacht werden. Helm und Warnweste waren Pflicht. Beim Entladen wurden sie vom Gelben Kulturkran des Harburger Museumshafens, einem denkmalgeschützten Liebherr-Portaldrehkran von 1972 mit 10-Tonnen-Hubkraft, unterstützt.

Trotzdem wurde es eine schweißtreibende Angelegenheit, denn die Aktion fand ausgerechnet am bislang heißesten Tag des Jahres statt. Immer wieder wurden die Arbeitsgruppen ausgetauscht – während die eine Hälfte arbeitete, hatte die andere Pause.

„Mit unserem Segelschiff AVONTUUR bieten wir die Möglichkeit Fracht per Windkraft gesegelt zu transportieren um damit die Verbindung zwischen nachhaltigem Produzenten und verantwortungsvollem Verbraucher zu schaffen“, sagt Pressesprecher Daniel Martens, und fügt hinzu: „Wir wollen einen alternativen Weg des modernen Transports in die Zukunft weisen; innerhalb einer Industrie, die sich bisher nicht den strengen Standards stellen musste, mit denen sich die Energieproduktion an Land schon lange konfrontiert sieht.“

Gegen 16 Uhr war das Entladen beendet und die Waren auf Palette in drei 40-Fuß-Container verpackt. Anschließend wird der Fair-gesegelte Kaffee in Hamburg geröstet und zu den Kaffeetrinkern versendet. (cb)

Löschevent im Binnenhafen: 30 „Schauerleute“ entladen 60 Tonnen Segel-Kaffee. Foto: Christian Bittcher

Schwerstarbeit bei sengender Hitze: Die fast 70 Kilogramm schweren Kaffeesäcke müssen auf Paletten verladen werden. Foto: Christian Bittcher