Kommentar - Stelzenläufer, Sprühkreide, Plakate. Was nach einem Bespaßungspaket für einen Kindergeburtstag klingt, ist die Antwort von Harburgs Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen auf den hohen Inzidenzwert im Bezirk Harburg.

Die nicht überraschende Erkenntnis, dass Corona sich in sozial schwächeren Wohngegenden, in der Regel mit einem hohen Anteil von Hamburgern mit Migrationshintergrund, ausbreitet, hat das Harburger Bezirksamt offenbar überrascht. Wie sonst ist es zu erklären, dass man erst ein Jahr nach Beginn der Pandemie versucht, in diesem Bereich gezielt zu informieren.

Bislang wurde ganz offensichtlich versucht politisch korrekt die Pandemie zu bekämpfen. Man wollte keine Stadtteile, keine Straßen, keine Gruppen durch hohe Inzidenzwerte stigmatisieren. Im besten Fall bedeutet das: Ich erhebe nicht, dessen absehbares Ergebnis ich nicht wissen will. Im schlechteren Fall hat man Daten gehabt und sie nicht genutzt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Die zweite Erkenntnis: Harburg hat Parallelgesellschaften. Wenn man Imame von Moscheen braucht, um bei Harburgern muslimischen Glaubens ein Jahr nach Beginn der Pandemie auf die Gefahren von Corona hinzuweisen, zeigt das, dass es besondere Wege braucht, um bestimmte Gruppen überhaupt zu erreichen oder ihnen in für sie akzeptabler Form Regeln näher zu bringen. Pfarrer oder Pastoren zu nutzen, um Coronaproblematik zu erklären, ist ja wohl nicht vorgesehen.

Immerhin. Ein Lichtblick gibt es bei diesem Trauerspiel. Den Wortwitz hat man sich erhalten. Dem NDR erklärte Fredenhagen laut eines Berichts, "das Ganze sei aber nur der Auftakt dafür, dichter an die Menschen ranzukommen".

André Zand-Vakili

Anmerkungen, Kritik, Schulterklopfen Shitstormgelüste:

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!