Schiff

Harburg - Die Sea-Eye hat festgemacht. Direkt am Kanalplatz liegt der ehemalige DDR-Fischkutter. Bekannt wurde das Schiff durch seinen Einsatz im Mittelmeer.

Die Regensburger Initiative "Sea-Eye" hatte das gleichnamige Schiff von Anfang 2016 bis Ende 2018 für private Rettungsaktionen von Bootsflüchtlingen eingesetzt. Rund 12.000 Menschen wurden nach Angaben der Organisation in der Zeit von der Besatzung von Booten und aus dem Wasser geholt. Jetzt ist das 60 Jahre alte Schiff "altes Eisen". Es taugt nicht mehr zum Rettungseinsatz.

Der Verein Museumshafen Harburg e.V. hat die Sea-Eye gern genommen. In Harburg wird das Schiff als Dokumentations-, Informations- und Erinnerungszentrum dienen. Michael Buschheuer, Gründer der Organisation Sea-Eye, kam mit seiner Familie selbst nach Harburg. Er hat einen interessanten Ansatz. "Ich möchte auch, dass Menschen kommen, die den Einsatz kritisch sehen und mich mit ihnen auseinander setzen", sagt er. Die privaten Rettungsaktionen mit solchen Schiffen sind umstritten. Befürworter halten sie für ein unumgängliches Gebot der Menschlichkeit. Kritiker sehen in ihnen einen wichtigen Anreiz für die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer und einen bequemen Weg für Schlepper die Flüchtlinge in überfüllten "Nussschalen" ihrem Schicksal zu überlassen.

Wie lange die Sea-Eye in Harburg bleiben wird, ist ungewiss. Das Schiff lag bereits einen Monat im City-Sportboothafen direkt vor der neu gestalteten Elbpromenade. Dann kam die Anfrage der Organisation an den Museumshafen, ob das Schiff in Harburg liegen kann. "Die Sea-Eye ist in Harburg für unsere Zwecke umgebaut worde. Sie ist von hier Richtung Mittelmeer gestartet. Auch einer der Kapitäne kommt aus Harburg. Er hat die erste Fahrt durchgeführt und hat sie auch zurück gebracht", sagt Buschheuer. Zwar sei der City-Sportboothafen attraktiv. Dort wären die Sea-Eye aber eine kurzweilige Touristenattraktion gewesen. Vom Liegeplatz in Harburg verspricht man sich mehr "Tiefgang". "Ein Museumshafen passt einfach besser", sagt Buschheuer. Und auch nicht ganz unwichtig: Die Liegegebühren sind in Harburg moderater.

Ungewiss ist, wie lange die Sea-Eye in Harburg bleiben wird. Das Auswanderermuseum Ballinstadt hat Interesse an dem Fischkutter, der in den Status eines Zeitzeugen aufgestiegen ist. Es könnte an einem Anleger vor dem Museum festmachen. Zuerst muss aber geklärt werden, wie das Schiff dorthin kommt. Es ist zu hoch für die Brücken.

Beim Museumsverein geht man davon aus, dass die Sea-Eye zumindest ein paar Monate in Harburg bleibt. Der Kanalplatz wird dabei voraussichtlich nicht Dauerliegeplatz sein. Er ist für kurzfristigere Aufenthalte vorgesehen. Das Schiff wird vermutlich an einen anderen Liegeplatz verholt. Unabhängig davon kann die Sea-Eye im Rahmen einer kleinen, individuellen Führung besichtigt werden. Kostenlos. zv