Harburg – 50 Bands an elf Tagen! Das Festival „Fight für Life!“ hat eindrucksvoll gezeigt,

wie stark die Kulturszene im Süden der Stadt ist und dass Musiker und Klubs auch während der Covid-19-Pandemie nicht in die Knie gehen. Konzerte auf dem Schwarzenberg oder auf dem Kanalplatz waren nur dank der finanziellen Unterstützung einiger Sponsoren, vor allem aber dankt der Kulturbehörde möglich, die die Übernahme aller Kosten zugesagt hatte.

Trotzdem gab es jetzt aber für einige der Veranstalter ein böses Erwachen. Heimo Rademaker von Marias Ballroom zum Beispiel flatterte ein Rechnung über rund 4000 Euro ins Haus. Gebühren für die Nutzung öffentlicher Flächen! Rademaker: „Man hatte uns vorher zwar geraten, pro forma einen Antrag zur Befreiung von den Gebühren  zu stellen.“ Aber es sei niemand davon ausgegangen, dass dies nicht bewilligt werde. Schließlich sollte das Festival ja der Szene helfen, während der Pandemie finanziell nicht völlig unterzugehen.

Heiko Langanke von der Linken, Vorsitzender des Harburger Kulturausschusses, hat über seine Fraktion inzwischen einen Antrag eingebracht, in dem das Bezirksamt aufgefordert wird, den Gebührenbescheid zurückzunehmen.

Das Bezirksamt sieht sich indes im Recht. „Anders als für die Außengastronomie und die Aufstellung von Schaustellerständen hat es für Veranstaltungen bisher keine vom Senat beschlossene temporäre Gebührenbefreiung von wegerechtlichen Verwaltungs- und Benutzungsgebühren gegeben“, sagt Sandra K. Stolle, stellvertretende Sprecherin des Bezirksamts. Deshalb sei für das Bezirksamt weiterhin die Gebührenordnung für die Nutzung von öffentlichen Wegeflächen, Grün- und Erholungsanlagen maßgebend. Diese schreibe eine täglichen Gebührensatz  von 0,05 bis 1,70 Euro pro Quadratmeter vor. Für das Festival sei mit 0,10 Euro pro Quadratmeter ein Satz erhoben worden, der „sich noch am unteren Gebührenrahmen orientiert“.

Außerdem, so Stolle, hätten die Veranstalter Zuwendungen von der Kulturbehörde bekommen, mit denen auch solche Gebühren bezahlt werden können. Das bestätigt auf Anfrage von harburg-aktuell auch Enno Isermann, Sprecher der Behörde für Kultur und Medien: „Bei der Open-air-Förderung ging es darum, möglichst schnell und unbürokratisch noch in der warmen Jahreszeit Konzerte unter freiem Himmel zu ermöglichen, damit zum einen Kultur corona-gerecht wieder stattfinden konnte. Zum anderen sollte den Künstlerinnen und Künstlern und der Veranstaltungsbranche wieder Auftritte ermöglicht werden.“ Die Förderung sollte natürlich auch anfallende Gebühren erstatten.

Offenbar ist diese Ansage noch nicht in alle Zimmer des Bezirksamts vorgedrungen. Rademaker: „Bei mir hat sich noch keiner gemeldet.“ Damit sei der Gebührenbescheid noch nicht vom Tisch. ag