Rathaus

Harburg – „Das hat die Lage insgesamt nicht einfacher gemacht“, sagt CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter  Fischer,

nachdem Verwaltungsrichter Klaus Thorwarth seine Kandidatur für das Amt des Bezirksamtsleiters angeboten hat. Fischer: „Das kam für mich völlig überraschend.“ Er bestritt auch, mit Thorwarth vorher gesprochen und dessen Bewerbung  eingefädelt zu haben. Selbst in CDU-Kreisen war gestern noch über eine aktive Rolle Fischers spekuliert worden. „Das wäre typisch für Ralf“, sagt ein Mitglied des CDU-Kreisausschusses. Die Koalition mit der SPD könne er damit nicht unbedingt retten, immerhin würde der Schwarze Peter für deren mögliches Scheitern aber klar bei den Genossen liegen.

Tatsächlich ist Thorwarth wohl aus den eigenen Reihen „gestupst“ worden. Doch was steckt dahinter? Will man der SPD eine mögliche äußerst peinliche Wahlschlappe ersparen? SPD-Kreischef Frank Richter hat gestern noch einmal auf Anfrage bekräftigt, an der Kandidatin Sophie Fredenhagen festzuhalten und sie in der „ersten Septemberwoche“ zur Wahl zu stellen. Fraktion und Kreisvorstand hätten das einstimmig so beschlossen. Um ganz sicher zu gehen hat Fraktionschef Jürgen Heimath für heute Abend noch einmal eine außerordentliche Fraktionssitzung einberufen.

Inzwischen wird aber wild gerechnet: Ralf-Dieter Fischer sagt, in seiner Fraktion gebe es mindestens sechs Abgeordnete, die Fredenhagen wählen würden. Das hieße: 26 Stimmen sind für eine erfolgreiche Wahl nötig, die GroKo aus SPD (19 Stimmen) und CDU (14) hätten zusammen 33 minus sechs Verweigerern. Das wären noch 27 Stimmen. Allerdings wird der CDU-Abgeordnete Berthold von Harten nach einer schweren Operation in den kommenden Monaten an keiner Wahl teilnehmen können. Das steigert die Unsicherheit weiter.

Beendet die SPD aber die Koalition mit der CDU, käme sie mit den Grünen und der Linken auf 29 Stimmen. Rechnerisch! Die Wahl ist geheim, ob wirklich alle SPD-Abgeordneten sich disziplinieren lassen? allerdings könnten auch Stimmen für Fredenhagen auch von anderer seite kommen. Die Linken finden Fredenhagen "gut", weil sie Sozialpolitikerin ist. Allerdings stellen Linke und auch Grüne Bedingungen, um Fredenhagen zu unterstützen. Die Koalition zwischen SPD und CDU muss beendet werden.

Oder zielt Thorwarths Bewerbung direkt gegen seinen Kreisvorsitzenden? Frank Richter kann dazu wenig sagen: „Ich habe seit mehreren Jahren nicht mit Klaus Thorwarth gesprochen. Er ist ein passives Mitglied, war nicht in den Gremien aktiv.“ Wenn Richter lange nicht mit Thorwarth gesprochen hat, kann er ihn Anfang des Jahres auch nicht auf eine Kandidatur angesprochen haben. Damals hieß es stets, die Harburger sei intensiv auf der Suche nach einem Kandidaten. Richter: „Klaus Thorwarth hätte damals die Chance gehabt, sich zu melden. Das hat er nicht genutzt.“ Weitere Details waren nicht zu erfahren. Es ist aber klar: Richter und Thorwarth mögen sich nicht, seit Thorwarth die Metin Hakverdi bei der Bundestagskandidatur unterstützte. Frank Richter hatte sich auch als Kandidat für ein Bundestagsmandat beworben und war bei der innerparteilichen Wahl durchgefallen.

Wie stark Richter trotz einer eher unglücklichen Kandidatenkür noch ist, muss er heute Abend in der Fraktionssitzung beweisen. Was ihm helfen könnte: Die Art von Thorwarths Bewerbung hat viele Genossen verärgert. Er habe mit keinem geredet, er habe die Gremien missachtet und das Ausschreibungsverfahren entwertet. Das könnte die Reihen schließen. ag