Rathaus

Harburg - Die Koalition aus CDU und SPD in Harburg droht das AUS. Die Wahl für die Neubesetzung des Bezirksamstleiterpostens ist abgesagt.

Jetzt hat der SPD-Kreisvorsitzende Frank Richter für Mittwochabend den Kreisvorstand seiner Partei - mit der erklärten Absicht, die Koalition zu beenden. Am Sonntag hatten sich SPD und CDU nicht auf die Wahl der ehemaligen Harburger Jugendamtsleiterin Sophie Fredenhagen einigen können.

Die Einberufung des Parteivorstands dürfte nicht nur die CDU, sondern auch einige Genossen verwundert haben. Am Sonntagabend hatten sich noch die Spitzen der SPD und CDU im Herbert-Wehner-Haus gleich neben dem Rathaus getroffen. Dabei habe die CDU noch einmal ihre Bedenken gegen Fredenhagen vorgetragen. Mittlerweile sind von dem Treffen nur die exzellenten Platten mit Brötchen, die die Frau von SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath geschmiert hatte, in guter Erinnerung. "Wir hatten uns darauf verständigt die Wahl abzusagen und bis Ende der Sommerferien eine Lösung zu finden. Wir wollten uns mit Frau Fredenhagen noch einmal zusammensetzen um Irritationen, die auf unserer Seite bestehen, auszuräumen. Darauf hatten wir uns die Hand gegeben und sind auseinander gegangen", erinnert sich CDU-Kreischef Uwe Schneider an das Treffen. Den jetzt eingeschlagenen Weg von Frank Richter empfindet er als "störrischen Alleingang". Das die CDU Petra Gerlach aus Delmenhorst, zufällig mit CDU-Parteibuch, als Kandidatin durchsetzen will, bestreitet Schneider. "Wir haben keinen Vorschlag gemacht, sondern lediglich, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht, unser Veto eingelegt. Das Vorschlagsrecht bleibt weiter bei der SPD."

Jürgen Heimath sieht die Koalition nicht zwangläufig am Ende. "Wir werden versuchen am Mittwoch eine vernünftige Diskussion zu führen, die Ergebnisoffen ist." Das er die Koalition weiter stützt ist ihm anzumerken. "Wir haben bislang mit der CDU eine Koalition, die in den Sachfragen erfolgreich ist", sagt Heimath. Ob sie jetzt an dem einen Punkt zerbricht, der aktuell zur Debatte steht, sei daher offen. "Man muss jetzt abwarten", sagt Heimath. Er selbst sieht Fredenhagen als geeignete Kandidatin an.

„Ich habe den Kreisvorstand mit dem Ziel einberufen, die Koalition zu beenden“ , sagt Frank Richter. „Wir halten Sophie Fredenhagen für die am besten geeignete Bewerberin. Sie ist kompetent und wäre sofort arbeitsfähig, weil sie sich in Harburg und im Bezirksamt auskennt. Und wir favorisieren Sophie Fredenhagen, obwohl sie parteilos ist und in der engeren Auswahl auch noch ein SPD-Genosse stand. Wenn die CDU hier eine Besetzung nach Parteibuch favorisiert, kann ich das nicht nachvollziehen. Und wenn wir uns in so einer wichtigen Frage nicht einigen können, wüsste ich nicht, wie die Koalition weiter gehen kann. Entscheiden müssen das allerdings unsere Gremien. Das kann und will ich nicht alleine durchsetzen.“

Warum wird um die Personalie Fredenhagen gestritten? Fredenhagen ist aktuell noch Leiterin des Fachbereiches für Jugend, Familie und Senioren in Buxtehude. Auch in Harburg hatte sie zehn Jahre diesen Bereich als Leiterin des Fachamtes abgedeckt. Ein Kritikpunkt der CDU an Fredenhagen ist, dass sie in ihrer beruflichen Karriere ausschließlich in diesem Bereich gearbeitet hat und ihr die "Bandbreite" fehlen würde. Daneben ist Fredenhagen in der Harburger Verwaltung, so hört man von dort, alles andere als fachlich und menschlich "geachtet". Fredenhagen hatte sich aus Harburg weg beworben, nachdem sie hier nicht zur Nachfolgerin von Dezernent Holger Stuhlmann geworden war. 

Auch aus Buxtehude gab es nicht nur wohlwollende Worte über ihre bisherige Arbeit. Dort befindet sie sich noch in der Probezeit. Aus den Gesprächsrunden anlssälich der anstehenden Wahl des Bezirksamtsleiters, auch anderer im Harburger Rathaus vertretenen Parteien, war zu hören, das Fredenhagen nicht gerade einen glücklichen Eindruck gemacht habe. Ihr Vorteil: Im Gegensatz zu anderen Bewerbern kennt sie Harburg. Das SPD-Prteibuch hat Fredenhagen nicht. Sie hatte es abgegeben, weil sie davon ausgeht, dass man in Leitungspositionen neutral sein soll. Für die Bewerberin Gerlach spricht, dass sie die ganze Bandbreite der Verwaltung kennt. Dazu muss man wissen, dass der Bezirksamtsleiter ein Verwaltungschef und nicht, wie in Harburg gern bezeichnet, ein Bürgermeister ist. ag/zv