Heimfeld - "Starke Frau" ist so eine Mainstream-Phrase, der inflationär benutzt wird. Auf Lena Beister trifft er voll und ganz zu. sie ist eine wirklich starke Frau. Nicht, weil die Gesundheits- und Krankenpflegerin aus dem Krankenhaus Harburg ihr Examen mit dem sehr guten Notendurchschnitt von 1,3 bestanden hat. Sie schaffte ihr Examen trotz einer schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung, durch die sie sechs Monate ausfiel und nach der viele ihre berufliche Karriere aufgegeben hätten.

Die 21-Jährige war im zweiten Ausbildungsjahr, als sie sich vergangenen Juni nicht wohl fühlt und starke Kopfschmerzen hat. Zuerst dachte sie an Migräne, ging nicht zum Arzt. Tatsächlich hat sie einen Schlaganfall und bricht zusammen.

„Ich habe extrem Glück gehabt, dass mein Freund mich rechtzeitig gefunden und den Notarzt gerufen hat", sagt sie heute. An einen Schlaganfall hatte die 21-Jährige schon wegen ihres Alters überhaupt nicht gedacht.

Es folgen Notaufnahme, Intensivstation und Reha. Rund ein halbes Jahr fällt Beister mitten in der Ausbildung aus. „Auf einmal konnte ich meine rechte Körperhälfte nicht mehr bewegen und erlebe, wie unsicher und hilflos sich unsere Patienten fühlen. Du weißt in so einer Situation nicht, ob es wieder so wird wie vorher und worauf du dich einstellen musst“, beschreibt Beister die Zeit nach ihrem Schlaganfall.

Nach der Reha kämpfte sie sich zurück und hatte das Glück von einem guten Team aufgefangen und unterstützt zu werden. „Für uns war die plötzliche Erkrankung von Lena ein großer Schock. Auf ihrem Weg zurück in den Arbeitsalltag hat sie deswegen das gesamte Team unterstützt. Unsere Praxisanleiterin Katharina Knöll hat einen großartigen Job gemacht, sich viel Zeit genommen und erklärt. Auch die anderen Kollegen haben sich noch nach der Arbeit mit Lena zusammengesetzt und mit ihr geübt“, so Claudia Stellisch, Stationsleitung der Orthopädie und Unfallchirurgie im Krankenhaus Harburg.

In der Asklepios-Klinik am Eißendorfer Pferdeweg wird die 21 Jahre alte gebürtige Buchholzerin auch zukünftig arbeiten. Nach ihrem Examen Ende Oktober hat sie sich für eine Teilzeitstelle entschieden. „Das Fachgebiet Orthopädie und Unfallchirurgie macht mir schon immer Spaß und das Team hier ist toll. An meinem Job gefällt mir besonders, wenn ich Patienten in schweren Stunden begleiten und unterstützen kann. Ein Bürojob, das wäre gar nichts für mich", sagt sie.

Dass sie sich weitestgehend normal bewegen kann, verdankt sie einer Orthese, die ihre geschädigten Nerven im Bein durch elektronische Impulse stimuliert. Damit ihre rechte Körperhälfte wieder voll funktionsfähig wird, erhält Beister weiterhin regelmäßig Physiotherapie, im kommenden Jahr ist ein Aufenthalt in der Reha geplant. zv