Harburg - Das ist eine Überraschung in Sachen Rieckhof. Die Elbe-Werkstätten, bislang Betreiber der Gastronomie, sollen Träger des Veranstaltungszentrums werden. Der bisherige Trägervein will sich zurückziehen und in absehbarer Zeit auflösen. Der bisherige Trägerverein wäre bei dieser Variante auch bereit alle Rechte, beispielsweise den Namen, an die Elbewerkstätten.

Das Ausschreibungsverfahren wäre damit nicht passé. Die Elbe-Werkstätten werden sich im Rahmen der Ausschreibung mit einem Konzept bewerben. Heute wurden dafür vom Vorstand die Weichen gestellt. Allerdings dürfte es der Harburger Verwaltung, die ein Ausschreibungsverfahren angeschoben und zahlreiche potenzielle Bewerber angeschrieben hat, den Handlungsspielraum einengen, wenn nicht sogar vorschgeben, zumal die Politik in Form von der SPD und auch die Opposition in Form der CDU bereits ihre helle Begeisterung über die Idee versprüht haben.

"Wir als SPD begrüßen die Ankündigung", so der Bürgerschaftsabgeordnete Sören Schumacher. Ralf-Dieter Fischer, Fraktionschef der CDU im Harburger Rathaus freut sich über den Weg, "den die CDU gern mitgeht".

In der Praxis würde die Übernahme wie eine Betriebsübergabe funktionieren. Die bisherigen Mitarbeiter des Reckhofs würden vom neuen Trägerverein übernommen. Jörn Hansen, bislang Geschäftsführer und demnächst rentenberechtigt, würde sich in absehbarer Zeit zurückziehen. "Aus unserer gemeinsamen Sicht wäre ein Übergang der Trägerschaft zum Jahreswechsel 2022 auf 2023 sinnvoll", so Hansen. "Die Arbeit würde so auf ein festes, professionelles Fundament gestellt, garantiert den Fortbestand des Kulturzentrums Rieckhof und hätte ein riesiges Potential zur Weiterentwicklung innerhalb der sehr breit aufgestellten Unternehmensstruktur der Elbe-Werkstätten GmbH."

Die Lösung, für die eifrig, lange und so geheim wie die Koalitionsverhandlungen der neuen Bundesregierung hinter den Kulissen verhandelt wurde, wird auch innerhalb der Politik geliebt, weil nahezu alle das Gesicht waren können. Vor allem in den Reigen der Genossen dürften Seufzer der Erleichterung ausgestoßen worden sein, weil das Thema Rieckhof die Harburger SPD gespalten hatte.

Nur die Verwaltung, die bislang betonte, dass sie "Alleinherrscher" über Ausschreibung und Vergabe sei, steht mit runtergelassener Hose da. Sich dem politischen Willen entgegen zu stellen, wäre so etwas wie Harakiri, zumal man nicht nur die Politik gegen sich aufbringen, sondern mit den Elbe-Werkstätten auch ein in der Behindertenarbeit erfolgreich tätiges Unternehmen, das eine 100prozentige Tochter der Stadt ist, ablehnen würde. "Undenkbar", sagt dazu ein Genosse.

Abzuwarten bleibt, wie die Harburger Grünen und Koalitionspartner der SPD reagieren. In ihren Reihen wird die Drahtzieherin des ohnehin einmaligen Vorgangs, eine Einrichtung wie den Rieckhof während einer bestehenden Trägerschaft neu auszuschreiben, verortet. zv