Harburg – Jetzt ist es traurige Gewissheit: Der marode Kirchturm der St.-Johannis-Kirche in Harburg wird abgerissen. Das teilte Pastorin Sabine Kaiser-Reis, Vorsitzende des Kirchengemeinderats, heute mit.  Damit verschwindet das 1953 an der Bremer Straße erbaute Wahrzeichen für immer aus dem Harburger Stadtbild. Mit dem Abriss soll im Frühsommer begonnen werden. Zum Ende des Jahres ist der Turm verschwunden.

Ostern 2019 läuteten die Glocken des 40 Meter hohen Turms zum letzten Mal. Es folgten viele Gutachten und noch mehr Diskussionen darüber, wie das zu bezahlen sei. Damaliger Stand: rund 1,5 Millionen Euro würde eine Instandsetzung kosten. Durch die Kostenexplosion wären es heute mehr als 2 Millionen Euro. Allerdings wäre bereits in 15 bis 20 Jahren die nächste Instandsetzung nötig gewesen. Der Kirchturm hätte sich zum Fass ohne Boden entwickelt.

„Seit Anfang 2020 musste der Kirchengemeinderat eine Entscheidung über den Turm der St. Johanniskirche treffen. Gut zwei Jahre galt es immer wieder neu abzuwägen, zwischen der Möglichkeit der Instandsetzung des Turmes, die mit immensen Kosten verbunden wäre, und der Alternative, den für uns schmerzlichen Abbruch des Turmes“, sagte Sabine Kaiser-Reis, die heute gemeinsam mit Kirchenvorsteherin Janina Krüger die traurige Nachricht verkündete.

Die Zeit der Beratungen und Planungen, die Zeit des „für und wider“, Instandsetzung oder Abbruch, ist zu Ende. Auf Antrag des Kirchengemeinderates und mit Zustimmung des Kirchenkreisrates hat das Baudezernat der Nordkirche Ende April 2022 die Genehmigung zum Abbruch des Kirchturms der St. Johanniskirche erteilt.

Die Entscheidung zum Abbruch ist der Kirche extrem schwergefallen: „Der Kirchturm ist ein symbolträchtiges Bauwerk für Harburg und ein deutlicher Hinweis auf eine Kirche. Er ist, wie das gesamte Ensemble mit Kirche und Pastoraten, denkmalgeschützt und stellt eine architektonische Besonderheit dar“, sagt Sabine Kaiser-Reis.

Der Abbruch ist im Vergleich zum Erhalt des Turmes eine „günstige“ Alternative: Der Abriss schlägt mit rund 500.000 Euro zu Buche. (cb)

Da war noch alles in Ordnung: Der Kirchturm im Mai 2018. Foto: André Zand-Vakili