Hamburg/Harburg – Die Archäologen aus Harburg sind wieder in Aktion: Im Herzen der Stadt, am Nikolai-Fleet bei der Trostbrücke, führt das Archäologische Museum noch bis Februar 2027 eine archäologische Ausgrabung durch. Das Grabungsareal liegt auf historisch bedeutsamem Gelände, wie bis heute der Straßenname "Neß" belegt, der so viel bedeutet, wie "Nase" beziehungsweise" das vorspringende Landstück" und bereits 1266 urkundlich erwähnt wurde. Das Gebiet birgt ein einzigartiges Denkmalensemble. Ein Podcast berichtet über Erkenntnisse der Wissenschaftler.
Nun machen erneut umfangreiche Baumaßnahmen archäologische Ausgrabungen notwendig, die das Archäologische Museum Hamburg in den nächsten neun Monaten durchführen wird. Aktuell wird eine Fläche von 442 Quadratmeter untersucht. Dort soll später ein Quartier für urbanes Wohnen und modernes Arbeiten entstehen. Wo vor kurzem noch die alte Commerzbank von 1874 stand, wo sich einst Tresore und Schalterhallen befanden, beginnt eine neue Ära. Das Commerzbank-Ensemble bestand aus einem Altbau und einem Hochhaus von 1964. Die beiden Gebäude prägten hier das Stadtbild, das Hochhaus stand sogar unter Denkmalschutz als wichtiges Zeugnis der Nachkriegsarchitektur. Dennoch wurde das Ensemble 2023 aus wirtschaftlichen Gründen abgerissen.
Auf diesem Areal, direkt vor dem prägnanten Altbau der Patriotischen Gesellschaft von 1765, suchen die Archäologen derzeit die mittelalterliche und neuzeitliche Bebauung, denn hier befanden sich direkt am ältesten Hafen der Stadt, dem Nikolaifleet, auch die wichtigsten öffentlichen Einrichtungen: das älteste Rathaus mit dem Niedergericht, die Börse, die Waage, das Zollhaus, die Ratsapotheke und später auch die Bank. Hier hat sich über Jahrhunderte hinweg das politische und wirtschaftliche Zentrum Hamburgs entwickelt. Durch die aktuelle Grabung können die Archäologen jetzt neue spannende Erkenntnisse zur frühen Geschichte sammeln.
Eine Reise durch die Schichten: Was haben die Archäologen schon gefunden?
An kaum einem anderen Ort in Hamburg reichen die archäologischen Schichten so tief wie hier im Mündungsdreieck zwischen Alster und Elbe. Ausgrabungen in den 1960er Jahren zeigten, dass hier besonders gute Erhaltungsbedingungen für die archäologischen Überreste herrschen, die der feuchte Boden bestens konserviert. Neben Resten von Holzgebäuden konnten schon damals u.a. hölzerne Wege und Geländebefestigungen aus dem Mittelalter dokumentiert werden. Die Nähe zum Nikolaifleet, Hamburgs ältestem Hafen, lässt die Archäologen nun auch für die neue Grabung auf überregionale Funde von Händlern und Reisenden hoffen. "Seit vielen Jahren begleiten wir jede Baustelle im Nikolai Quartier archäologisch. Dabei stößt das Grabungsteam immer wieder auf neue Puzzlesteine, die das Bild von Hamburgs früher Stadtgeschichte vervollständigen. Besonders die gut erhaltenen Holzfunde sind für uns Archäologen von großem Wert", so Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Landesarchäologe und Direktor des Archäologischen Museums Hamburg.
Das Team um Grabungsleiter Dr. Martin Eckert konnte bislang den Kellerfußboden eines Gebäudes aus der Renaissance-Zeit freilegen. Unterhalb dieser Schicht sind die Archäologen nun auf die Oberfläche des alten Marktes gestoßen.
Für alle Interessierten, die noch mehr über die Ausgrabung erfahren möchten, hat das Archäologische Museum Hamburg ein besonderes Angebot: Die Archäologen berichten in einem Podcast ganz aktuell laufend über die Grabungsfortschritte und die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftler. Der Podcast steht unter diesem Link zum Download bereit: https://www.hafenradio.org/hr035-der-mittelalterliche-markt-im-loch-ness/


