Ratgeber - Es ist noch nicht lange her, dass viele Menschen äußerst zögerlich an eine Kreditaufnahme herangingen. Im Zuge der Niedrigzinspolitik hat jedoch ein deutlicher Wandel stattgefunden. Gemäß Datenbestand der Schufa verfügten etwa 14,9 Prozent der Deutschen aller Altersgruppen im Jahr 2020 über einen Ratenkredit. Die aktuelle Niedrigzinsphase dauert bereits mehr als zehn Jahre an. Ein Ende ist nicht abzusehen, sodass sich die Zahl der aufgenommenen Verbraucherkredite sicherlich weiter erhöhen wird.

Aufgenommene Kredite nach Bundesländern
Im Bereich der Gesamthöhe von Krediten gibt es je nach Bundesland deutliche Unterschiede. Beispielsweise die Bürger Nordrhein-Westfalens sind am höchsten verschuldet. Die Einwohner von Hamburg stehen an sechster Stelle. Laut dem Auszug einer Bankenstatistik stellt sich die Gesamtverschuldungshöhe in Millionen Euro (Stand: 06/2019) wie folgt dar:

Nordrhein-Westfalen: 579.651
Baden-Württemberg: 514.674
Bayern: 495.912
Hessen: 389.191
Niedersachsen: 297.977
Hamburg: 173.914
Rheinland-Pfalz: 122.256
Berlin: 118.717
Schleswig-Holstein: 84.475
Sachsen: 67.327
Brandenburg: 40.506
Saarland: 30.654
Mecklenburg-Vorpommern: 30.218
Thüringen: 34.023
Sachsen-Anhalt: 32.955

Gründe der Deutschen für die Kreditaufnahme
Gebraucht- und Neuwagen finden sich in der Rangliste der häufigsten Anschaffungsgründe ganz oben. Es folgen Küche/Möbel, Ablösung Ratenkredit, Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte, Überziehungskredit durch einen Ratenkredit ersetzen, Renovierung/Umzug, Bekleidung sowie Urlaub. In Prozent stellen sich die Anteile am Gesamtkreditvolumen Deutschlands wie folgt dar:

Kreditaufnahme für Fahrzeuge
Die niedrigen Zinsen und infolge dessen geringeren Monatsraten ermöglichen weit mehr Menschen als früher, einen Kredit aufzunehmen. Zudem war die Darlehensaufnahme noch nie so einfach. Zwar wird die Finanzkraft der potentiellen Kreditnehmer auch heute von vielen Geldinstituten gründlich überprüft, jedoch gibt es einige Direktbanken, die auf eine Bonitätsauskunft verzichten. In der Regel müssen Verbraucher jedoch in diesem Fall mit einem höheren Zinssatz rechnen. Bestenfalls nimmt man einen Online-Vergleich vor. So erhält man einen guten Überblick über die verschiedenen Konditionen und attraktivsten Angebote.

Insbesondere Kleinkredite werden heute verhältnismäßig problemlos bewilligt. Viele junge Menschen zum Beispiel möchten sich direkt nach Ihrer Führerscheinprüfung ein Auto oder Motorrad zulegen. Nur selten steht ihnen ausreichend Geld für ein Fahrzeug, selbst für ein gebrauchtes, zur Verfügung. Sind sie bereits im Berufsleben fest integriert, können Sie meist den Kredit mit ihrem Arbeitseinkommen absichern. Sollten Sie Schwierigkeiten bei der Darlehensaufnahme haben, besteht auch die Möglichkeit, einen Bürgen mit in den Vertrag aufzunehmen.

Finanzierung von Küche und Möbeln
Steht die Einrichtung eines Eigenheims oder auch einer Mietwohnung an, kann es richtig teuer werden. Zum Beispiel für die Anschaffung einer modernen Küche ist ein gutes Finanzpolster nötig. Kleine Einbauküchen, die nur über eine Basisausstattung verfügt, kosten bereits zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Entscheidet man sich für eine etwas gehobene Alternative, muss man mit bis zu 20.000 Euro rechnen. Luxuriöse Großküchen namhafter Hersteller oder Spezialanfertigungen vom Schreiner oder Tischler übersteigen letzteren Betrag um ein Weiteres.

Auch neue Möbel können eine hohe Ausgabe erfordern. Wer Geld einsparen möchte, schaut sich am besten nach gut erhaltenen, gebrauchten Produkten um. Dies gilt auch für Küchen aus zweiter Hand, jedoch sind diese seltener zu finden. Ein Kredit ermöglicht vielen Menschen, ihr Zuhause modern und hochwertig auszustatten. Einen im Verhältnis zum Kaufpreis geringen monatlichen Betrag kann ein Großteil der Verbraucher problemlos aufbringen. Wählt man ein Darlehen mit günstigem Zins, ist die Schuldsumme schnell abgezahlt. Auf keinen Fall sollte man die Finanzierung über den Dispo vornehmen. Die Gefahr einer Überschuldung ist groß, denn Überziehungszinsen sind hoch. Bei einigen Geldinstituten liegen sie auf bis zu 14 Prozent pro Jahr.

Ist es sinnvoll, den Dispo durch Ratenkredit abzulösen?
Dass die Kontoüberziehung mit einem sehr hohen Zinssatz „bestraft“ wird, ist allgemein bekannt. Eine kurze Zeit im Minus kann noch vertretbar sein. Wer jedoch seine Schulden nicht schnell abbezahlen kann, muss für einen teuren Dispokredit tief in die Tasche greifen. Bei einem Ratenkredit sind die Zinsen in der Regel deutlich niedriger. Ist absehbar, dass man über einen längeren Zeitraum im Minus ist, nimmt man besser eine Umschuldung vor. Vorteilhaft ist außerdem, dass der Ratenkredit Verbrauchern während der Vertragslaufzeit sicher ist. Den Dispo hingehen dürfen Banken jederzeit kündigen.
Wie man aus der Dispo-Falle herausfindet
Bei regelmäßiger und ausgeprägter Nutzung eines Dispokredits mit hohem Zinssatz stehen Verbrauchern zwei Wege offen:

Sind Ersparnisse vorhanden, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto, sollte mit diesen der Dispo getilgt werden. Denn praktisch immer sind die Zinsen für die Geldanlage niedriger als die für einen Kredit.
Steht Erspartes nicht zur Verfügung, lässt sich der teure Dispo zumindest in einen günstigeren Ratenkredit „umwandeln“. So spart man sich nicht nur die höheren Zinsen, sondern baut gleichzeitig seine Schulden schrittweise ab.

Hierzu ein Beispiel:
Für einen Dispo mit Tilgung zu einem nominalen Zinssatz/Jahr mit einer Ratenhöhe von 140,80 Euro über eine Laufzeit von 24 Monaten fallen Gesamtzinsen in Höhe von 379,21 Euro an. Bei gleicher Laufzeit, einem nominalen Zinssatz von 5,65 Prozent jährlich sowie einer Ratenhöhe von 132,49 Euro sind für einen entsprechenden Ratenkredit mit Tilgung nur 179,74 Euro  an Jahreszinsen fällig.