Harburg. Rund um die Drogenhilfeeinrichtung Abrigado auf dem Schwarzenberg hat es am Sonntag erneut zwei größere Polizeieinsätze innerhalb kurzer Zeit gegeben. Die Lage rund um das Gelände bleibt damit weiterhin angespannt.
Bereits gegen 19 Uhr meldete eine Zeugin eine Schlägerei im Umfeld der Einrichtung. Einer der beteiligten Männer soll während der Auseinandersetzung wiederholt an seinen Hosenbund gegriffen haben – ein Verhalten, das die Polizei als Hinweis auf eine mögliche Waffe wertete. Kurz darauf war die Zeugin telefonisch nicht mehr erreichbar, sodass die Beamten die Situation nicht weiter verifizieren konnten.
Die Polizei rückte mit zahlreichen Kräften an, unterstützt von Diensthunden und dem Hubschrauber Libelle. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte sicherten zeitweise den Bereich rund um das Abrigado. Zwei Männer, die der Beschreibung der mutmaßlichen Beteiligten entsprachen, wurden angetroffen und zur Identitätsfeststellung auf eine Wache gebracht. Eine Waffe fanden die Beamten nicht; beide Männer wurden später wieder entlassen.
Doch die Ruhe währte nicht lange. Kurz nach Mitternacht meldeten Zeugen erneut verdächtige Geräusche im Bereich des Abrigado. Wieder rückten zahlreiche Einsatzkräfte aus, diesmal ohne verdächtige Personen anzutreffen. Die Polizei blieb anschließend vor Ort und zeigte Präsenz, um die Lage zu beruhigen.
Die Vorfälle fügen sich in eine seit Monaten angespannte Situation rund um die Drogenhilfeeinrichtung ein. Das Außengelände wird auch außerhalb der Öffnungszeiten regelmäßig von Drogenkonsumenten und mutmaßlichen Dealern aufgesucht. Über längere Zeit war das Schloss am Zugang defekt, sodass das Gelände frei zugänglich war. Anwohner berichten seit Monaten von nächtlichem Lärm, Streitigkeiten und gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Besonders eskaliert war die Lage im Juni: Am 12. Juni wurden im Umfeld des Abrigado mindestens vier Schüsse abgegeben. Nur wenige Tage später, am 15. Juni, wurde ein 45-jähriger Mann im Schwarzenbergpark durch Schüsse verletzt. Die Vorfälle führten – wie mehrfach berichtet - zu umfangreichen Ermittlungen und mehreren Festnahmen.
Zwar wurde das defekte Schloss am Abrigado inzwischen repariert, doch die Probleme bestehen weiter. Nach Beobachtungen vor Ort ist mittlerweile ein Teil des Zauns aufgebrochen worden, um weiterhin Zugang zum Gelände zu erhalten.
Wie schwierig die Lage für die Polizei ist, zeigte sich auch am Samstagabend: Rund zwei Dutzend Menschen hielten sich vor der Einrichtung auf. Trotz der Suche nach Zeugen und Hinweisen wollte nach bisherigen Erkenntnissen niemand etwas gesehen haben. Verwertbare Hinweise erhielt die Polizei aus der Gruppe nicht.


