Harburg - Corona hat, zumindest im vergangenen Jahr, nicht zu einem Rückgang der Kriminalität im Bezirk Harburg geführt. Ganz im Gegenteil. Mit einem Plus von 8,6 Prozent war die Steigerung im Bezirk Harburg hamburgweit am höchsten. Besonders betroffen waren die Stadtteile Harburg und Wilstorf, Heimfeld sowie der Süderelbebereich.

16.254 Straftaten, 1.293 mehr als im Vorjahr, wurden 2020 im Bezirk Harburg angezeigt. Absoluter Schwerpunkt ist dabei der Stadtteil Harburg, in dem allein 7.026 Taten passierten. Die größte Steigerung in den stark belasteten Stadtteilen wurde in Hausbruch verzeichnet. Dort stieg die Kriminalität innerhalb eine Jahres um 25,5 Prozent oder 228 Taten.

Eine hohe Zahl von Straften, über 1000 pro Jahr, gab es in sechs der 17 Stadtteile. In keinem der sechs Stadtteile ging die Kriminalität zurück. In ihnen passiert über 90 Prozent der gesamten Kriminalität im Bezirk Harburg.

Harburg: Hier ereigneten sich die mit Abstand meisten Straftaten vergangenes Jahr stieg die Zahl der Fälle um 298. Allein bei der Drogenkriminalität gab es eine Steigerung von 133 Fällen. Die Polizei hat, gerade im Phoenixviertel, dass als Brennpunkt der Drogenkriminalität eingestuft wird, deutlich mehr Verfolgungsdruck aufgebaut und so Dunkelfeldkriminalität aufgehellt. Einen hohen anstieg um fast 60 Prozent gab es bei den Verstößen gegen das Asylverfahrensgesetz. Viele dieser Taten stehen im Zusammenhang mit dem verstärkten Vorgehen gegen die Drogenkriminalität, da die Dealerszene von ausländischen Tätern dominiert wird. Ebenfalls einen Zusammenhang mit der Drogenszene dürfte die Steigerung bei den Autoaufbrüchen um 37 auf 353 Fälle stehen, da es in Harburg sich oft um Beschaffungskriminalität handelt.

Deutlich angestiegen ist auch die Zahl der Sachbeschädigungen. Hier wurden 69 Fälle mehr als im Vorjahr gezählt. Das entspricht einer Steigerung von 17,6 Prozent. Deutlich höher lag die Zahl der Sachbeschädigungen mit 455 Taten. Das waren 152 mehr als im Vorjahr.

Rückgänge gab es bei der Gewaltkriminalität und bei den Diebstahlsdelikte um 6,7 Prozent oder 235 Fälle, sowie bei der Gewaltkriminalität um  sieben Taten.

Wilstorf: 1.214 Straftaten, 145 mehr als 2019, wurden im vergangenen Jahr in dem Stadtteil zur Anzeige gebracht. Das entspricht einer Steigerung von 13,6 Prozent. Auffallend ist die hohe prozentuale Steigerung bei den gefährlichen Körperverletzungen um 69 Prozent. Das waren 18 Taten mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Diebstähle nahm um 42 Fälle oder 8,2 Prozent zu. Es gab 17 Wohnungseinbrüche mehr als im Vorjahr. Hoch ist auch die Zahl der Autoaufbrüche mit 122 Taten, 20 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Verstöße gegen das Asylverfahrengesetzt stieg sprunghaft von 4 auf 30 an.

Eißendorf: 1.194 Straftaten, 39 mehr als im Vorjahr, ereigneten sich 2020 in dem Stadtteil. Auffallend ist ein starker Anstieg bei den Körperverletzungen um 41 Prozent auf 172 Taten. Dazu passend stieg die Zahl der schweren Körperverletzungen sogar um knapp 61 Prozent auf 37 Taten. Es gab mit einem Plus von 38 Prozent deutlich mehr Sachbeschädigungen, insgesamt 178. Auch die Zahl der Rauschgiftdelikte nahm um 21 auf 48 Fälle zu.

Bei den Diebstählen wurde dagegen ein deutlicher Rückgang von 127 Fällen oder gut 21 Prozent verzeichnet.

Heimfeld: Einen deutlichen Anstieg von 15,2 Prozent auf 1.852 Straftaten gab es in Heimfeld. Allein bei den Autoaufbrüchen wurde eine Steigerung von knapp 67 Prozent oder 113 auf 282 Fälle verzeichnet. Beschaffungskriminalität durch Drogensüchtige spielt nach Erkenntnissen der Polizei eine Rolle. Deutlich angestiegen sind auch die Sachbeschädigungen um 30,5 Prozent auf 248 Fälle. Eine Steigerung der Körperverletzungsdelikte um 26,4 Prozent spielt ebenfalls eine Rolle. In Heimfeld gab es zudem einen Anstieg bei den Diebstählen.

Hausbruch: In diesem Stadtteil stieg die Kriminalität in 2020 deutlich um 25,5 Prozent an. Damit liegt die Zahl der Straftaten im Gegensatz zum Vorjahr bei über 1000. Genau waren es 1.121 Fälle, die bei der Polizei zur Anzeige gebracht wurden - 228 mehr als 2019. Bemerkenswert: Körperverletzungen und Gewaltkriminalität spielten bei der Steigerung keine Rolle. Registriert wurde ein Anstieg der Sachbeschädigungen um 42 Fälle oder 36,8 Prozent. Auch wurden mehr Diebstähle registriert, hier gab es ein Plus von 36 Fällen oder 59 Prozent. Eine herausragende Änderung bei den in der Regionalstatistik veröffentlichten Deliktsgruppen gab es nicht.

Neugraben: Hier stieg 2020 die Kriminalität um 13,3 Prozent auf 2.433 Fälle- Das sind 285 mehr als 2019. Es gabe einen deutlichen anstieg der Körperverletzungen um 24 Prozent auf 325 Fälle. Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen stieg sogar um 36,2 Prozent auf 79 Taten. Ebenfalls gestiegen ist die Drogenkriminalität um 35 Prozent auf 106 Taten. Ein Rückgang gab es dagegen bei den Fahrzeugaufbrüchen.

Auffällig war der gesamte Süderelberaum 2020 bei der Einbruchskriminalität. Die lag im vergangenen Jahr mit 491 Taten deutlich über dem Vorjahr mit 376 Taten. Fast die Hälfte der Steigerung  von 115 Fällen ging auf die Stadtteile Hausbruch und Neugraben zurück, wo insgesamt 55 Taten mehr als im Vorjahr registriert wurden. In Hausbruch bestieg die Steigerung satte 61 Prozent, in Neugraben über 28 Prozent.

In diesem Jahr ging seit Januar die Kriminalität im Bezirk Harburg in vielen Bereichen deutlich zurück. Für das gesamte Jahr wird ein niedrigeres Niveau erwartet. zv