Harburg – Es ist ein mühsamer Weg. Schritt für Schritt werden Barrieren für Menschen mit einem körperlichen Handicap aus dem Weg geräumt.

Jetzt ist im Plenarsaal der Hamburgischen Bürgerschaft das herkömmliche Rednerpult durch ein komplett absenkbares Pult ersetzt worden – zur Freude des Harburger SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Matthias Czech.

Im Mai 2015 hatte Czech einen Schlaganfall erlitten, seither ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Schon früh hat sich der heute 43 Jahre alte Lehrer wieder in sein früheres Leben zurückgekämpft. Nur vier Monate nach seinem Schlaganfall nahm er wieder an Plenarsitzungen teil, seit 2016 ist er mit Ausschusssitzungen, Arbeitskreisen, Parteisitzungen, öffentlichen Veranstaltungen und Bürgerschaftssitzungen wieder voll im Politgeschäft dabei. Im Frühjahr wurde er als Vorsitzender der SPD Eißendorf und als stellvertretender Vorsitzender der SPD Harburg wiedergewählt. Und im August 2016 hat er an der Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg wieder eine Klasse übernommen.

„Ich erlebe Inklusion sehr direkt“, sagt Czech. „Es funktioniert.“ Der Schlaganfall habe sein Leben verändert, er könne aber weiter als Pädagoge und Politiker tätig sein. Im Plenarsaal werde der Einbau von weiteren Handläufen geprüft, außerdem solle ein neuer Außenfahrstuhl im Innenhof künftig alle Stockwerke des Rathauses erschließen.

Im großen Saal im Harburger Rathaus finden sich noch zahlreiche Barrieren für Behinderte, dafür gibt es schon einen barrierefreien Fahrstuhl. Rollstuhlfahrer können diesen allerdings nur durch die „Hintertür“erreichen, der Weg dorthin ist wegen des Pflasters im Innenhof recht mühsam. Das Angebot der Rathaus-Verwaltung, mit dem Auto zu diesem Fahrstuhl zu fahren, ist allerdings häufig nur theoretisch. Dazu müssten nämlich bewegliche  Sperrpfosten auf der Zufahrt zum Innenhof versenkt werden, die wiederum werden nur betätigt, wenn vorher eine Nummer angerufen wird. Diese müsste vorher erfragt werden. Es hat leider Fälle gegeben, in denen die Nummer bekannt war, am anderen Ende der Leitung sich aber niemad gemeldet hat. ag