Harburg - Auch Grüne und SPD sind fest entschlossen den Rieckhof in seiner jetzigen Form abzuwickeln und ihn in ein Bürgerhaus mit mehr Platz für "Stadtteilkultur" umzuwandeln. Der Trägerverein hat mittlerweile alle Verträge für den Rieckhof, wie Strom und Wasser, gekündigt. Zuvor war von der Harburger Behördenleitung mitgeteilt worden, dass es ab Januar keine finanziellen Mittel mehr geben wird. Der Trägerverein will sich auch juristisch gegen das Vorgehen wehren.

In einem "ergebnisoffenen Verfahren", bei dem "unterschiedliche Betreiberkonzepte in einen gesunden Wettbewerb treten" möchten Grüne und SPD die Trägerschaft des Rieckhofs neu vergeben. Heinke Ehlers, kulturpolitische Sprecherin der Grünen hat schon vage Vorstellungen. "Der Rieckhof ist originär ein Bürgerhaus und kein reines Veranstaltungszentrum. Das sollte sich in neuen Konzeptideen widerspiegeln", sagt sie. Einen potenziellen neuen Betreiber gibt es laut Ehlers nicht.

Das mag man beim Trägerverein nicht glauben. Dort geht man davon aus, dass sich im Hintergrund bereits "jemand warm läuft". Tatsächlich geht es beim Rieckhof nicht nur um Veranstaltungen. Es geht auch um einige passabel bezahlte Jobs.

Mittlerweile hat der Trägerverein alle von ihm geschlossenen Verträge, die den Rieckhof betreffen, gekündigt. Dazu zählen laut Trägerverein auch der Pachtvertrag für die Kneipe mit der Elbewerkstätten, der Stromliefervertrag und drei Mitarbeiterverträge. Den Kündigungen war ein Treffen des Trägervereins mit der Harburger Verwaltungsspitze vorausgegangen, bei dem die Behördenleitung die Streichung der finanziellen Mittel ankündigte. Beim Trägerverein will man die Kündigung der Verträge nicht als "Rückzug" verstanden wissen. Es sei ein formaljuristischer Zug, um sich nicht einer Insolvenzverschleppung schuldig zu machen. An einer neuen Ausschreibung werde man sich nicht beteiligen.

„Wir werden für das Bezirksamt nach dem derzeitigen Stand nicht als Rückfalloption zur Verfügung stehen", so Dr. Christoph Meyer-Bohl, geschäftsführender Vorstand des Trägervereins. Er nannte den Plan der Verwaltung, sollte es stimmen, dass es keinen Favoriten als neuen Trägerverein geben, "unausgegoren". Meyer-Bohl glaubt das offenbar nicht: "Auch wenn die Bezirksamtsleiterin für ihre Person etwaige Gespräche mit Interessenten zurückwies, hielten sich die beiden Mitarbeiterinnen mit einer gleichlautenden Aussage auffällig zurück.“

Ungewöhnlich wäre es auch für die Verwaltung, die faktisch getroffene Entscheidung über eine Neuausrichtung des Rieckhofs ohne Einbindung der politischen Gremien durchzuführen. „Weder die Politik mit einzubeziehen noch ein besseres Nutzungskonzept überhaupt zu haben, um dann den Kündigungshammer zu ziehen, ist das denkbar schlechteste Vorgehen", so Heiko Langanke von den Linken und Vorsitzender des Kulturausschusses.  Es sei auch "etwas seltsam", im Regionalausschuss Harburg über die Sanierungs- und Umbaupläne des Rieckhofs zu referieren und kein Wort über die geplante Kündigung des bisherigen Nutzers fallen zu lassen.

Verärgert über das Verhalten der Verwaltung ist auch die CDU. Fraktionsvorsitzender Ralf-Dieter Fischer sieht den Ausschuss übergangen. Auch auf der jüngsten Sitzung sei das Thema eine schmale Mitteilung der Verwaltung gewesen und es habe keine Diskussion oder Beschlüsse gegeben.

Insider glauben die offizielle Version der Behörde ohnehin nicht. Sie sehen die grüne kulturpolitische Sprecherin Heinke Ehlers als Strippenzieherin. Sicher ist, dass es den Rieckhof nach einem Rauswurf des Trägers nicht mehr geben wird. Denn der Trägerverein hat die Namens und Bildrechte an dem Logo. Auch wird nicht davon ausgegangen, dass es bis Ende des Jahres ein erfolgreiches Ausschreibungsverfahren geben wird. Der Rieckhof wäre ab dann nur noch eine stromlose Betonhülle. zv