140320InduktionHarburg – Und abends kommt mein Auto einfach an die Steckdose. Mit so einem Spruch verblüffen die Nutzer von Elektrofahrzeugen die Mitglieder der Benzin- und Dieselfraktion gern.

Dabei geht es noch einfacher. Der Hamburger E-Mobility-Pionier Sirri Karabag hat jetzt die erste induktive Ladesäule zur Serienreife gebracht. Bei Airbus auf Finkenwerder ist sie mehrere Wochen lang getestet worden. Völlig reibungslos.

„Wir mussten uns nur ein wenig umgewöhnen“, sagt Doris Czernikow, Fuhrpark-Leiterin bei Airbus in Hamburg. Das Auto muss nämlich nicht mehr zum Aufladen an die Steckdose, deshalb werden auch keine Kabel oder Stecker mehr benötigt. Doris Czernikow macht es vor: Sie fährt mit einem Fiat New 500 E aus dem Airbus-Fuhrpark gegen die Ladesäule, ganz sanft, ganz vorsichtig. Nun hält sie noch einen Schlüssel vor einen kleinen Scanner, und schon fließt der Strom.

„Wir haben uns gefragt, was Autofahrer am meisten nervt“, sagt Karabag. „Die Antwort ist klar: das Tanken. Da geht es auch den Fahrern von Elektroautos nicht anders. Das Hantieren mit Kabeln und Steckern – möglicherweise auch noch bei Regen oder bei Schnee und Schneematsch – ist dabei nicht nur unnötig kompliziert, sondern nicht selten mit Ängsten verbunden.“ Schließlich werde durch den Stecker eine Starkstromverbindung geschlossen.

Das Prinzip der induktiven Ladung ist nicht neu. Elektrische Zahnbürsten werden zum Beispiel so aufgeladen. Karabag machte sich also auf die Suche nach Engineering-Partnern und fand das Unternehmen Paul Vahle und Finepower. Und bald war die erste induktive Ladesäule fertig.

Die Ladesäule baut ein kräftiges Magnetfeld auf, dies wird durch eine Ladeplatte hinter dem Nummernschild wieder in elektrische Energie umgewandelt und in der Batterie gespeichert. Kleine Hürde: Das Nummernschild darf nicht wie üblich aus Aluminium sein, die Induktion funktioniert nur, wenn das Schild aus Kunststoff ist.

Und nun? Karabag: „Jetzt suchen wir Partner, die unsere Ladesäulen aufstellen.“ Noch ist der Markt begrenzt. In Hamburg gibt es inzwischen rund 170 Ladesäulen mit Kabel und Stecker, Tendenz: steigend. Preislich gibt es zwischen den herkömmlichen Säulen und den Induktionssäulen kaum Unterschiede. Zurzeit kostet eine Säule gut 5000 Euro, bei einer Serienproduktion würde der Preis auf vielleicht 2500 Euro fallen. Allerdings müssen auch die Elektroautos entsprechend ausgerüstet werden.

Dennoch sieht Karabag gute Chancen für seine Säulen: „Elektroautos können weit mehr bieten als saubere Mobilität. Sie sind auch rollende Stromspeicher,  sie helfen, die Netzte zu entlasten und damit auch die Kosten der Energiewende zu senken.“

Das sind nicht nur Worte. Karabag bietet gemeinsam mit Partner WEMAG, ein Öko-Energieunternehmen, das ReeVOLT!-System an – eine ganzheitliche Lösung für die Verknüpfung von Hausenergie und Elektromobilität. ag