131129BrueckeHarburg – Ach, hätten sie doch noch ein paar Monate gewartet! Vielleicht wären die Unruhe und die Skepsis in der lärmgeplagten Bostelbek-Siedlung nicht ganz so

groß wie nach dieser Sitzung des Stadtplanungsausschusses.

Die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) und die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) waren fast in Truppenstärke ins Harburger Rathaus gekommen, um den Politikern einen Überblick über alle Großprojekte rund um Moorburg zu geben.

Das sind nicht wenige: Geht es nach HPA und DEGES, werden in absehbarer Zeit eine Hafenschlickdeponie, die Anbindung der A26 an die A7 und später auch die Verlängerung der Altländer Autobahn quer durch den Hafen und Wilhelmsburg hin zur A1 samt neuer Kattwyck-Brücke und eine zweigleisige Eisenbahnstrecke von Altenwerder rund um Moorburg herum das alte Elbdorf weiter einschnüren.

Und als Peter Pfeffermann von der DEGES bunte Planskizzen zeigte, aus denen hervorgehen sollte, dass die Anwohner es nur mit erlaubten Autobahnlärm zu tun bekommen, wurden die Bostelbeker hellhörig. Jasmin Garlipp von der Initiative  „Lärm macht krankt!“ sagte: „Vor zwei Jahren sah das alles noch ganz anders aus.“ Nee, eigentlich habe sich nicht viel geändert. Und die Detailplanung, nämlich wie der Verkehr später von der neuen Abfahrt Moorburg-Ost an der Siedlung der Bostelbeker vorbeigeführt werde, sei noch gar nicht fertig.

Nein, da ist es auch kein Trost, dass die Moorburger wahrscheinlich noch viel schlimmer dran sind. Sie müssen fünf Dezibel mehr ertragen. Das klingt nach wenig, aber die Lärmkurve steigt nicht linear, der Schalldruckpegel ist vielmehr eine logarithmische Größe. Praktisches Beispiel: Verdoppelt man die Zahl der vorbeifahrenden Autos, verdoppelt sich auch der Schalldruck. Das entspricht indes nur einer Steigerung von drei Dezibel.

Warum die Moorburger so viel mehr ertragen müssen? Moorburg ist als Dorf- und Mischgebiet ausgewiesen, da muss man tagsüber 64 Dezibel (nachts immerhin noch 54) aushalten. Bostelbek ist dagegen als „reines Wohngebiet ausgewiesen“, hier sind 59/49 Dezibel zulässig.

Dass die Planer nun errrechnet haben, dass die Bostelbeker auch mit verlängerter Autobahn (natürlich nur rechtlich gesehen) ruhig schlafen können, ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Als nämlich Kay Wolkau von den Grünen fragte, ob denn die geplante zweigleisige Eisenbahntrasse parallel zur Autobahn ebenfalls die zulässigen Lärmwerte einhalte, musste Arne Heitmann von der HPA passen: „Das haben wir noch nicht berechnet.“

Auch Ralf-Dieter Fischer von der CDU muss sich mit einer klaren Antwort auf seine Frage noch gedulden. Er wollte wissen, warum die jetzige Anschlussstelle Moorburg gestrichen werden soll, wenn die A26 an die A7 angeschlossen wird. Das werde erhebliche Verkehrsprobleme und zusätzliche Belastungen für die Bostelbeker mit sich bringen. Die Antwort der Planer: „Wir werden das mal simulieren. Und  danach dann endgültig entscheiden.“

Keine Frage: Diese Themen müssen auf „Wiedervorlage“ gelegt werden. Damit klar wird, welche Folgen die großen Infrastrukturprojekte für die Anwohner haben. ag