PhoenixcenterHDRHarburg„Dies ist ein rein formaler Akt“,  betonte Muammer Kazanci (SPD), Vorsitzender des Harburger Stadtplanungsausschusses immer wieder. Dann ließ er über die

Einleitung eines Planverfahrens zur Erweiterung des Phoenix-Centers abstimmen. Mit Ausnahme der FDP und der Linken waren alle dafür. Kazanci danach: „Das ist noch keine inhaltliche Entscheidung.“

Um die geplante Erweiterung des Phoenix-Centers um eine Verkaufsfläche von rund 2550 Quadratmeter wird weiter gerungen. Noch stehen die Endfassung eines Gutachten über mögliche Auswirkungen auf den Einzelhandel im Einzugsgebiet des Centers und am 6. Juni die öffentliche Diskussion über den „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ aus.

Bisher scheint die Stimmung der meisten Bezirksabgeordneten eher in Richtung Erweiterung zu tendieren, es geht nur noch um den Preis, den Investor ECE dafür zahlen soll. Kernfrage hinter allem: Lässt die Sogwirkung des mächtig erfolgreichen Phoenix-Centers den Einzelhandel in der übrigen Harburger Innenstadt endgültig ausbluten oder überwiegt die Strahlkraft des Centers, die ja nachweislich auch neue Kunden nach Harburg holt?

Schon träumten einige davon, dass das Erfolgsmodell Phoenix-Center auch auf die Lüneburger Straße übertragen werden kann – womöglich könnten ja die ECE-Profis helfen, die leerstehenden Geschäfte in der Fußgängerzone zu vermieten. Ob diese Geschäfte dann auch regensicher sind und ob sie auch die gleichen vorgeschriebenen Öffnungszeiten wie im Center haben müssten?

Noch abenteuerlicher folgende Überlegung: Die Erweiterung des Phoenix-Centers soll bekanntlich auf Kosten einiger hundert Parkplätze im Untergeschoss geschehen. Dann wird das Parkhaus womöglich häufiger mal voll belegt sein, und die Kunden weichen auf die umliegenden Parkhäuser aus – geleitet durch das moderne dynamische Parkleitsystem. Auf dem mindestens 350 Meter langem Weg ins Phoenix-Center könnten doch neue Geschäfte eröffnen und auf die Lauf-Kundschaft hoffen.

All diese Hoffnungen hat dann Andreas Gustafsson, Einzelhandelsexperte des renommierten Beratungsunternehmens BulwienGesa AG, mit einem Satz torpediert: „Diese Ideen intendieren eine Steuerungsfunktion, die es nicht gibt.“ Mit anderen Worten: Jedes Unternehmen entscheidet für sich, kein Unternehmen lässt sich von der Politik zu irgendetwas zwingen, für kein Unternehmen steht das städtebauliche Interesse ganz oben. Punkt.

Und Gustafsson sagte den Politikern auch noch einmal ganz deutlich, was ihr städtebauliches Interesse für die Harburger Innenstadt sein müsste: Wie gelingt es, die Position Harburgs als Oberzentrum für eine Region von 700.000 und mehr Menschen – in Harburg, aber auch in Wilhelmsburg, Neugraben, Finkenwerder, Neu Wulmstorf, Buxtehude, Stade, Winsen und bis hin nach Lüneburg – zu sichern? Ein klares Plädoyer für die Erweiterung des Phoenix-Centers!

Gustafsson und sein Team haben bis ins Detail untersucht, welche Auswirkungen die Erweiterung des Phoenix-Centers vor allem mit Geschäften für den gehobenen Modebedarf auf das Einzugsgebiet haben wird. Das Gutachten ist noch nicht ganz fertig. Schon jetzt kann BulwienGesa aber sagen: Wird das Phoenix-Centers nicht wie geplant erweitert, wird es einen Umsatzrückgang von fünf Millionen Euro per anno geben, die Kunden werden sich dann vermehrt in attraktiven neuen Geschäften im Umland umsehen. Eine Erweiterung würde dagegen ein Umsatzplus von 15 Millionen Euro bringen.

Kann denn aber die Harburger Innenstadt ein noch attraktiveres Phoenix-Center verkraften? Da es vor allem neue Anbieter im gehobenen Modesegment geben soll, werde die Auswirkung auf die Nachbarschaft in Harburg eher gering sein, prognostiziert Gustafsson: „Maximal minus drei Prozent.“ Da die gehobenen Modeanbieter im Umland schon vertreten sein, werde eher die Hamburger Innenstadt die neue Konkurrenz in Harburg spüren. Die Verluste würden aber auch gering sein. Gustafsson: „Das sind eher Nadelstiche.“

Anschließend stellte noch ein Gutachter der Bremer Firma Masuch + Olbrisch fest, dass die Erweiterung des Centers keinen wirklich spürbaren Einfluss auf die Verkehrsbelastung der umliegenden Straßen haben werde. Und auch für das Phoenix-Viertel gab er Entwarnung: „Da ist der Parkdruck durch die Anwohner und ihre Gäste schon jetzt so groß, dass kein Kunde des Phoenix-Centers ernsthaft versuchen würde, im Phoenix-Viertel einen Parkplatz zu suchen.“

Alles in Butter also? Die Erweiterung wird wohl kommen und Harburgs Position als Oberzentrum stärken. Die Aufgabe von Citymanager Matthias Heckmann und von allen anderen, die die restliche Innenstadt samt (nicht zu vergessen!) Karstadt und Arcaden aufpolieren sollen, wird dadurch nicht leichter. Auch nicht durch ein paar Hunderttausend Euro zusätzlichem „Spielgeld“. ag