103030SchiffNeuenfelde – Auf jeder Seite war gerade ein Meter Platz: Zentimeter für Zentimeter schob sich die 38 Meter breite „Aeolus“ (benannt nach dem griechischen Gott

der Winde) durch das Estesperrwerk. Mehrere Hundert Beobachterstanden am Ufer – die üblichen Hamburger „Sehleute“, aber auch viele Arbeiter der Sietas-Werft.

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, könnte das Spezialschiff zur Errichtung von Offshore-Windkraftanlagen für das niederländische Bauunternehmen Van Oord der letzte Neubau der Neuenfelder Traditionswerft gewesen sein. Der Insolvenzverwalter will in den nächsten Tagen über die Zukunft des Betriebs entscheiden.

Vor der Passage des Sperrwerks war das Dock, in dem die „Aeolus“  im Drei-Schicht-Betrieb  in Rekordzeit entstanden ist, geflutet worden. Für eine Nacht wird das 140 Meter lange Schiff an einem Kai im Hamburger Hafen festmachen. Dann wird es zur Endmontage zurück zu Sietas geschleppt, ab jetzt muss es schwimmend im Dockhafen liegen.

Das Spezialschiff kann sich auf See für die Montage der Windkraftanlagen mit Stelzen über die Wasseroberfläche erheben und dann in Wassertiefen bis zu 45 Meter arbeiten. Die „Aeolus“ ist das erste in Deutschland entwickelte und konstruierte „Errichterschiff“ dieser Art.

Während das Schiff aus dem Hafen geschleppt wurde, war der Neuenfelder Hauptdeich für mehr als eine halbe Stunde gesperrt. Für einige Autofahrer, die sich nicht für das Spektakel am Sperrwerk interessierten, war das offenbar zu lange. Um bloß schnell wegzukommen, erklärten sie kurzerhand die Straßenverkehrsordnung für ungültig und fuhren entgegen der Einbahnstraßenregelung über den Neuen Fährweg nach Neuenfelde. Andere fuhren abseits der öffentlichen Straßen durch ein Obstanbaugebiet und suchten sich ihre „Abkürzung“. ag