120521tu Harburg - Die Ölkatastrophe im Golf von Mexio im April 2010, ausgelöst durch die Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon", ging als eine der folgenreichsten Umweltkatastrophen in die Geschichte ein.

In etwa 1500 Metern Tiefe kam es innerhalb drei Monaten zu einem Ölaustritt von bis zu  einer Million Tonnen. Das Öl verunreinigte Meer und Küsten, brachte das Ökosystem aus dem Gleichgewicht.

Zwei Jahre danach gehen Wissenschaftler der Technischen Universität Harburg (TUHH) dem Unglück sprichwörtlich auf den Grund. Das Team aus Konstruktionstechnik, Strömungsmechanik und Bioverfahrenstechnik arbeitet gemeinsam mit 60 Partnern in dem Kooperationsprojekt C-Image. Neben der Uni Harburg sind vor allem Universitäten aus der USA, Kanada und Holland dabei. Finanziell gefördert wird das Projekt von der amerikanischen "Gulf of Mexico Research Intiative" über drei Jahre. Forschungsbeitrag: Satte elf Millionen US-Dollar.

 

"Nach dem Unglück wurde deutlich, dass die heutige Wissenschaft kaum etwas über das Verhalten von Öl in der Tiefsee weiß", erklärt Prof. Dr.-Ing. Michael Schlüter, Leiter des Instituts für Mehrphasenströmungen. Er sagt weiter: "Bei dem unkontrollierten Austritt von Öl und Gas in 1500 Meter Wassertiefe treten extreme Bedingungen auf, die zu einem komplexen Mehrphasengemisch aus Methan, Hydrat, Öl und Wasser führen, das bisher nicht beschrieben werden kann." Dazu zählen Druckverhältnisse auf dem Meeresgrund von 150 bar sowie Temperaturschwankungen von bis zu 100 Grad Celsius Öltemperatur.

Weil immer noch nicht berechnet werden kann, mit welcher Geschwindingkeit und in welcher Form sich das Öl ausbreitet, können Schutzmaßnahmen nur unzureichend durchgeführt werden. Und genau da wollen die Forscher ansetzten.

Um möglichst reale Bedingungen im Bereich der Ölverbreitung und biologischen Abbaubarkeit simulieren zu können, werden am Institut für Prozessentwicklung Drücke von bis zu 500 bar aufgebaut. Am Institut für Technische Biokatalyse wird der Einsatz von speziellen Öl abbauenden Bakterien untersucht. Die Ergebnisse und errechneten Daten werden von der TU an Prof. Scott Scolofsky übermittelt. Der Forscher von der University von Texas hat ein Modell entwickelt, mit dem sich der Austritt des Öls in der Bucht von Mexiko berechnen lässt.

Und wer weiß: Vielleicht gelingt es den Forschern nach ihrem Projekt, solche tragischen Umweltkatastrophen wie im Golf von Mexiko in Zukunft zu verhindern. (pw)