111011tu Harburg- Manchmal riecht bereits die Post. Darüber wundern sich die Mitarbeiter der Firma Ultrawaves Wasser- und Umwelttechnologien GmbH auf dem Campus der Technischen Universität in

Harburg (TUHH) schon lange nicht mehr. Drei- bis vier mal pro Woche bekommt das Unternehmen Päckchen mit gewöhnungsbedürftig riechendem Inhalt: Biomasse aus aller Welt.

 

Ob Klärschlam, Maishäcksel oder Grasschnitt- im firmeneigenen Labor werden die Proben auf ihre Konsistenz geprüft und im Testlauf mit einem von Ultrawaves patentierten Verfahren behandelt, das bereits in Klär- und Biogasanlagen rund um den Globus erfolgreich eingesetzt wird.

Mit dem Einsatz des blauen Ultraschallreaktors gelingt es bei Biomasse, die vergoren wird, die Energieausbeute erheblich zu steigern. Oder wissenschaftlich formuliert: "Durch den Einsatz von hochfrequentiertem Ultraschall werden die Biomassezellen für den biologischen Abbauprozess besser verfügbar gemacht, wodurch bis zu 30 Prozent mehr Biogas entsteht", erklärt Ultrawaves-Gründer und Geschäftsführer Dr. Klaus Nickel.

Das Harburger Unternehmen, das 2001 als Ausgründung der TUHH entstand, hat es mit seiner Technologie zum Weltmarktführer gebracht. Vor fünf Jahren wurde das Unternehmen mit dem Innovationspreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ausgezeichnet. Doch der Erfolg kommt nicht von ungefähr, in dem kleinen, blauen Gerät stecken mehr als 20 Jahre Forschung und Erfahrung der TUHH.

Biogas spielt auf der Suche nach neuen regenrativen Formen der Energiegewinnung eine wesentliche Rolle, Energie aus Biomasse zu gewinnen ist inzwischen auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Während in Deutschland der Ultraschall-Reaktor in landwirtschaftlichen Biogas-Anlagen zum Einsatz kommt, stehen auf dem internationalen Markt die Kläranlagen im Fokus. "Heute geht es darum, das eine Kläranlage nicht mehr nur eine Entsorgungsstätte für Abwasser ist, sondern mindestens so viel Energie erzeugt, wie sie verbraucht, vielleicht sogar mehr. Dafür sorgt unsere Technologie", so Nickel. Und die Zahlen, für den in der Nähe von Karlsruhe bei der Firma "Sonotronic" hergestellten Reaktor, sind beeindruckend: Weltweit sind 55 Kläranlagen in 20 Ländern ausgerüstet, zuletzt in Taiwan.

Wenn der  blaue Reaktor aus Harburg auf dem Weltmarkt weiter so einschlägt, nehmen die Mitarbeiter die leicht muffig riechende Post wohl gern in kauf. (pw)