110923MarnetteHarburg - Das er auch nach seiner Zeit als Minister in Schleswig-Holstein und Vorstandsvorsitzender bei der Affi ein Schwergewicht ist, da kann sich Dr. Werner Marnette sicher sein. Sonst wären kaum so viele Zuhörer

zur Veranstaltung des Wirtschaftsvereins in den Palmspeicher gekommen. Vor den rund 100 Zuhörern kündigte Wirtschaftsverein-Vorstand Jochen Winand seinen Referenten als "Ex-Minister, der in seiner kantigen Art die Politik überforderte" an. Was gemeint war, zeigte Marnette in seinem Vortrag.

Die direkte Art Probleme zu analysieren, ist ihm auf den Leib geschrieben. Die Wirtschaftslenker aus der Region bekamen zu hören, warum es im Norden Deutschlands, zu dem Marnette Hamburg als Herz, Schleswig-Holstein und den nördlichen Teil Niedersachsens zählt, nicht so läuft, wie es laufen könnte. Es fehlt die richtige Vernetzung und klar definierte Ziele für die Region, die lediglich 6 bis 7 Prozent der Deutschen Wirtschaftsleistung ausmacht und damit in dem Punkt ein Leichtgewicht ist.

Marnette wundert es daher nicht, dass andere Teile Deutschlands besser wegkommen, wenn es um die Verteilung der wenigen Gelder für Strukturmaßnahmen geht. "Im Süden Deutschlands ist ganz klar geregelt, wer dran ist", sagt Marnette. Im Norden dagegen hackt eine Krähe der anderen die Augen aus. Unterm Strich kommt dabei weniger raus.

Norddeutschland muss aktuell gerade wieder um die Realisierung wichtiger Verkehrsprojekte bangen. Dabei hätte der Norden eine bessere Infrastruktur bitter nötig. Denn die Lösung der Verkehrsprobleme, so Marnette, sei neben der Energieversorgung "elementar". Die Politik müsste mit der Kleinteiligkeit aufhören. Bei allen dunklen Wolken: Es geht auch was. Marnette ist davon überzeugt, dass gerade Küstenregionen immer wichtiger werden. Auch dadurch hätte der Norden viel Potenzial. zv