Heimfeld – „Da braut sich etwas zusammen!“ Mit einem Satz hatte Ex-Bundesverteidigungsminister Volker Rühe die volle Aufmerksamkeit der

rund 150 Gäste beim traditionellen Grünkohlessen der Handwerkskammer Harburg im Clubhaus des HTB. Sie waren gespannt, wie der Elder Statesman die Weltlage beurteilt – und sein Einstieg klang nicht gerade beruhigend.

Zuvor hatte Bezirkshandwerksmeister Peter Henning die Gäste begrüßt, unter ihnen den SPD-Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi, die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Ex-Senatorin Herlind Gundlach, einige Bezirksabgeordnete, City-Managerin Gitte Lansmann, die Geschäftsführerin des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden Uta Rade und später auch den Präsidenten der Handwerkskammer Hamburg Josef Katzer. Er hatte dreieinhalb Stunden von Lokstedt nach Harburg gebraucht. "Da hätte ich auch in den Harz fahren können", bemerkte Katzer

Henning ehrte zusammen mit Bärbel Wenckstein vom Elbcampus auch zwei erfolgreiche Harburger, aus dem Landesleistungswettbewerb des Deutschen Handwerks: Pascal Weiß, Landessieger bei den Zimmerern, und der Harburger Pascal Geffke (Foto l.), Landessieger bei den Malern und Lackierern.

Er neige nicht zu Altersdepressionen, sagte der 75 Jahre alte Rühe dann, der Wahlslogan „einer Partei“ (und jeder im Saal wusste, dass die CDU gemeint war) habe ihn denn aber doch nachdenklich gemacht: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.“ In Wirklichkeit gebe es zurzeit wenig Anlass, da braue sich eine Menge zusammen – zum Beispiel in Europa. Die Spaltung in Ost und West habe wieder zugenommen. Für Rühe ist das eine Folge der deutschen Flüchtlingspolitik. Als der Bundesnachrichtendienst 2014 gemeldet habe, dass die Flüchtlinge ihre Lager verließen, habe niemand reagiert. „Erst als die Flüchtlinge auf der Autobahn zwischen Budapest und Wien auftauchten, hat man versucht, die Lage in den Griff zu bekommen“, sagte Rühe. „Wir haben sie dann reingelassen und nun wollen wir sie auf ganz Europa verteilen.“ Genau das verschärfe die Spannungen. Dabei brauche keiner Europa so sehr wie Deutschland. Rühe: „Vor allem aber brauchen wir mehr langfristiges, strategisches Denken. Und weniger Krisenmanagement.“

Es beruhige ihn auch nicht, dass zum Beispiel Wladimir Putin seit 2000 in Russland das Sagen hatte, die 15jährige Amtszeit von Angela Merkel erwähnte er zwar nicht, schauderte aber bei dem Gedanken, er hätte länger als sechseinhalb Jahre Verteidigungsminister sein müssen. „Das tut uns nicht gut. Nur der Wechsel bringt auch neue Ideen“, sagte Rühe – was zu einer kurzen Unruhe im geschlossen erschienenen Harburger CDU-Triumvirat führte. Nicht umsonst werden Rainer Bliefernicht und Uwe Schneider als langjährige Stellvertreter des „ewigen“ Kreisvorsitzenden Ralf-Dieter Fischer schon als „Prince Charles der Harburger CDU“ verspottet.

Wesentlich ernster sei allerdings der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea. „Bisher gab es mit Russland und China zwei Mächte, die ihre Atomsprengköpfe mit Raketen über den USA abwerfen können“, sagte Rühe. Nordkorea sei nun auf dem Weg dahin. Aber: Anders als bei Russland und China sei Amerika bei Nordkorea nicht bereit auf Abschreckung zu setzen. Rühe: „Die Uhr tickt. Amerika wird handeln!“ Und dann würden binnen weniger Minuten Hunderttausende von Menschen sterben. ag