150210FluechtlingeHarburg – In wenigen Tagen gehen die ersten Flüchtlinge an Bord der „Transit“, um sich in den engen Kabinen häuslich einzurichten. Schon jetzt stehen mindestens 40 freiwillige

Helfer von der „Flüchtlingsinitiative Harburger Binnenhafen“ bereit. Sie wollen ihre neuen Nachbarn dabei unterstützen, sich einzuleben, sich wohl zu fühlen, unsere Sprache zu lernen und nicht an der deutschen Bürokratie zu scheitern. Gelebte Willkommenskultur – was die Politiker als Allheilmittel gegen gelegentlich kaum nachvollziehbare Behördenentscheidungen empfehlen und was von den Bürgern ohne Amtsschimmel, aber mit viel Kreativität und noch mehr Engagement längst umgesetzt wird.

„Wir hatten alle unsere Vorbehalte“, sagt Andreas Behn, Inhaber der Kaffeerösterei Fehling auf der Schlossinsel. Aber es sei von Anfang an allen klar gewesen: Helfen müssen wir! Jetzt gelte es nur, das richtige Maß an Hilfe zu finden, das man auch auf Dauer halten könne. Behn: „Inzwischen freue ich mich auf meine neuen Nachbarn. Ich empfinde das alles als persönliche Bereicherung.“

Behn will die Hilfsangebote für den Sprachunterricht organisieren. Und jeder seiner Mitstreiter hat für einen bestimmten Bereich „den Hut auf“: Anwohnerin Andrea Zwengel will für die Außendarstellung der Flüchtlingsinitiative und den Kontakt zum Wohnschiff-Betreiber fördern & wohnen sorgen, NDR-Reporter, Hafenbarde und Schiffseigner Werner Pfeifer ist der Mann für Willkommensfeste, Events, Besuche und Patenschaften, Bettina Radke von der KulturWerkstatt kümmert sich um Stadtführungen und Behördengänge und ihre KulturWerkstatt-Kollegin Hanne Paysen um Spiel- und Freizeitangebote.

Einzigartig bei dieser Initiative: Hier gibt’s nicht nur private Unterstützer, auch die Unternehmen aus dem Binnenhafen sind dabei – jedes auf seine Weise: Becker Marines zum Beispiel stellt Auto samt Fahrer für Transporte zur Verfügung, die Haspa hat die Räume ihrer früheren Filiale in der Harburger Schlossstraße für ein Initiativenbüro angeboten. Zwei Beispiele von vielen! Achim Schulz, Geschäftsführer von channel hamburg e.V. und eine der treibenden Kräfte der Flüchtlingsinitiative, weiß auch, warum so etwas hier im Binnenhafem so gut funktioniert: Die 150 Firmen im Channel mit ihren rund 6000 Mitarbeitern sind international tätig. Da sehe man manche Dinge ein wenig gelassener.

Alles Friede, Freude, Eierkuchen also? Nein, Schulz sieht den Standort am Kanalplatz für das Wohnschiff durchaus kritisch: „Die Lage ist nicht optimal. Die Flüchtlinge leben dort wie auf dem Präsentierteller. Schon jetzt kommen viele Schaulustige in den Binnenhafen.“ Der Binnenhafen sei im Übrigen ein stadtentwicklungspolitisches Referenzgebiet. In den kommenden zwei Jahren müssten allein wegen des Wohnungsbaus rund 1500 neue Nachbarn integriert werden. ag