141215KerscheHarburg – „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Schule klaut.“  Ob Schulsenator Ties Rabe damit gerechnet hat, dass bis zu 300 Kinder und Eltern der

Schule Kerschensteinerstraße mit großem Tamtam durch die Harburger Innenstadt ziehen und lautstark gegen die Pläne seiner Behörde protestieren? Wenn irgendjemand in den Amtsstuben geglaubt hatte, von einer kleinen Schule wie der „Kersche“ mit einem Migrantenanteil von weit mehr als 80 Prozent sei kein Widerstand zu erwarten, hat er sich jedenfalls gründlich getäuscht.

Der Plan, der für so viel Ärger sorgt, klingt nicht nur kompliziert. Er ist es auch. Das sollte noch kein Grund zur Aufregung sein – auch nicht das Planziel, dass die „Kersche“ mit Sack und Pack 2017 (oder später) in die Gebäude des Lessing-Stadtteilschule umzieht, weil die wiederum bis dahin in einem Neubau am Hanhoopsfeld zieht.

Das alles geht nicht von heute auf morgen. Abwarten geht nach Ansicht der Schulbehörde aber auch nicht, weil die Goethe-Schule Riesenplatzbedarf hat und diesen von der benachbarten „Kersche“ bekommen soll. Deshalb sollen zunächst die Klassen ein und zwei der Schule Kerschensteinerstraße in einen provisorischen Holzständerbau auf dem Schwarzenberg umziehen. Die anderen Klassen bleiben bis 2017 (oder später) in der „Kersche“, werden dann allerdings – wie es in einem Brief des Elternrats heißt – „auf einer Baustelle, ohne Pausenhalle und ohne kindgerechten Schulhof“ unterrichtet.

„Dass so etwas in Europa noch möglich ist“, sagt Cuma Özgül vom Elternrat. Dass ausgerechnet unsere Kinder, die Kleinsten und Schwächsten in dieser Gesellschaft für eine unabsehbare Zeit die Belastung einer Teilung an zwei Standorten ertragen müssen, ist in den Augen von uns Eltern nicht zumutbar und verstößt gegen das Kinderrecht.“

Die Harburger GroKo hält sich in dieser Angelegenheit spürbar zurück. SPD-Fraktions-Vize Claudia Loss weist darauf hin, dass die Bezirksversammlung hier gar nichts entscheiden kann. Gleichwohl wolle sie helfen, dass Eltern und Behörde ins Gespräch kommen und möglicherweise einen Kompromiss finden. CDU-Chef Ralf-Dieter Fischer sieht es ähnlich: „Nicht ohne Grund gibt es keinen Schulausschuss der Bezirksversammlung mehr. Schulplanung ist eine Gesamt-Hamburger Angelegenheit.“

Trotzdem waren im Demonstrationszug  einige bekannte Harburger Politik-Gesichter zu sehen –  zum Beispiel Hakan Çan von der SPD. Er war allerdings privat dabei, sein Kind besucht die „Kersche“. Oder die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver. Sie hielt sich mit Äußerungen zurück, aber Cuma Özgül ist überzeugt: „Die CDU will uns wirklich unterstützen und helfen.“ Er sagte auch, die Demonstration sei erst der Anfang. Es seien noch zwei andere Aktionen geplant, gegen die die Demo „ziemlich harmlos“ ist. ag