140913SD1Harburg – Es erhallte noch einmal das Nebelhorn. Dann schob sich die Seute Deern aus der Harburger Schleuse, um auf die Süderelbe abzubiegen und Kurs Richtung Hafencity

zu nehmen. Nach elf Jahre im Binnenhafen hat das ehemalige Bäderschiff Harburg verlassen. Es ist ein Blamage für Verwaltung, Politik und dem neuen Verein, der einen Traditionsschiffhafen in Harburg etablieren will. Ihnen ist es nicht gelungen das 1961 in Emden gebaute Schiff zu halten.

Der Grund: Eigner Arne Weber wollte einen Liegeplatz am Kanalplatz. Von dort wurde die Seute Deern von der Behörde verbannt. Dort sollen nach dem Binnenhafenkonzept Schiffe Platz finden, die Harburgs Binnenhafen anlaufen, aber nicht länger bleiben wollen. Instinktlos, einfach nur blöde oder bewusst gesetzte Botschaft: Die zuständige Sachbearbeiterin verschickte die Verfügung zu einem Zeitpunkt, an dem gar keine Schiffe kommen konnten, weil damals die Schleuse repariert wurde und deshalb gesperrt war. Auch eine Beschwerde aus der Kulturwerkstatt über die Seute Deern vor der Tür hatte es gegeben.

Die Politik hatte auf erste Ankündigungen, dass die Seute Deern Harburg verlassen könnte, mit Anträgen reagiert, in denen sie die Verwaltung dazu aufforderte dafür zu sorgen, dass das Schiff bleibt. Diesen Anträge konnte die Verwaltung ganz offensichtlich nicht entsprechen. Auch der neue Verein, der einen Traditionsschiffhafen in Harburg etablieren und für seine Arbeit Steuergelder via Bezirk haben will, macht keine gute Figur. „Es wäre schön gewesen, wenn man mal Kontakt mit dem Eigner aufgenommen hätte“, sagt ein Mitglied. Hat man aber nicht. Der Verein Museumshafen-Harburg e.V. besteht vor allem aus Eignern von kleineren Schiffen oder kommt aus der Kulturwerkstatt, wo man Erfahrung mit dem Einwerben von öffentlichen Geldern, aber auch via Binnenhafenfest Kontakte zu Schiffseignern hat.

Wesentlich geschickter als die Macher vom Traditionsschiffhafen Harburg agierten die Verantwortlichen vom Traditionsschiffhafen, der seine Heimat am Sandtorkai hat. „Wir haben mitbekommen, dass für die Seute Deern ein neuer Platz gesucht wird und haben daraufhin den Eigner angesprochen“, sagt Klaus Pajunk vom Verein. "Wir wollten das Schiff für Hamburg erhalten." Weber war positiv angetan. Denn im Gegensatz zu Harburg wurde der Seuten Deern in der Hafencity ein herausragender Liegeplatz, direkt im Sandtorhafen zu Füßen der Magellan Terrassen geboten. Am Sonnabend, gut eine Stunde, nachdem die Seute Deern Harburg verlassen hatte, machte das ehemalige Bäderschiff dort fest.

Harburg hat andere Perspektiven. Mindestens zwei von bis zu sieben Wohnschiffen, die für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet werden sollen, werden nach den Planungen der Fachbehörde nach Harburg kommen. Sie werden nicht im Ziegelweisenkanal anlegen, sondern eher den Platz bekommen, der der Seuten Deern verwehrt wurde. Der Kanalplatz wird als Standort favorisiert. Ende der Woche war eine Abordnung aus Hamburg in Antwerpen und hat sich nach passenden Wohnschiffen umgeschaut. Dabei hat man festgestellt, dass es nicht so einfach sein wird passende Schiffe zu beschaffen. Bislang sind, passend für Harburg, zwei Wohnschiffe in der Auswahl. Aus Behördenkreisen hieß es, dass man absehbar nicht wie geplant im Oktober sondern eher im Dezember die Wohnschiffe einsetzen kann. zv

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