140121HFHHarburg –  Eigentlich könnten sich die Männer und Frauen vom Container an der Knoopstraße in aller Ruhe auf ein knackiges Jubiläum vorbreiten: Ihr „Projekt

Freizeitgestaltung“ (PFG) gibt es dann seit 20 Jahren. Doch ihre Ruhe ist jetzt erstmal dahin, sie sollen nämlich noch in der ersten Hälfte dieses Jahres umziehen und sich nicht nur an ein neues Domizil gewöhnen, sie sollen es auch mit anderen teilen. Noch müssen sie sich allerdings gedulden, es gibt Verzögerungen.

Mit der Gründung der PFG, dem Aufstellen eines Containers und der jährlichen Bewilligug von einigen Tausend Euro Betriebskosten, glaubten Politik und Verwaltung, den Rathausplatz auf Dauer zur alkohol- und drogenfreien Zone gemacht zu haben. Die Gruppe zog sich in ihren Container zurück, musste sich wegen der exponierten Lage ihres neuen Treffs nicht abgeschoben fühlen. Alles schien in Butter.

Jetzt soll der Container verschwinden, die Saga will Olaf Scholz helfen, sein Wahlversprechen einzulösen: Wohnungen, Wohnungen und noch mal Wohnungen. Auch am „Finanzamtsknoten“, hinein in die Knoopstraße bis hin zur Julius-Ludowieg-Straße. Und damit hatte Harburgs Sozialdezernent Holger Stuhlmann ein kompliziertes  Puzzle auf dem Tisch. Er musste die Zeitpläne des Saga-Baus, des Umzugs der PFG und des Umbaus ihres neuen Domizils ein paar hundert Meter weiter östlich kurz vor dem ehemaliges Balatros-Gelände koordineiren. Und für die Finanzierung sorgen.

Und ein weiteres Problem gleich auch noch zu lösen: Inzwischen hatten auch andere den Rathausplatz entdeckt: Leute mit viel Tagesfreizeit, Alkoholkranke, Drogensüchtige. Für einige Zeitgenossen immer wieder ein Ärgernis, für viele aber die Aufforderung, den Männer und Frauen zu helfen. Das soll im Hans-Fitze-Haus, dem neuen PFG-Domizil,  passieren. Ob sich die alten und die neuen Süchtigen verstehen, bleibt abzuwarten.

Noch ist das Puzzle nicht fertig. CDU-Kreischef Ralf-Dieter Fischer sogar größere Probleme: „Ein Begehung des Hans-Fitze-Haus hat gezeigt, dass es in einem schlechteren Zustand als angenommen ist.“ Da werde wohl nicht nur zusätzliches Geld benötigt, der ursprüngliche Zeitplan sei auch nicht mehr zu halten. Eigentlich sollte die PFG in diesen Wochen einziehen.

Holger Stuhlmann weißt Fischers Vorwürfe zurück: „Das stimmt so nicht: Die Baumaßnahmen werden genau so umfangreich wie von Anfang an geplant.“ Deshalb würden sich auch die Kosten in Höhe von 146.500 Euro nicht ändern. Sie seien zudem durch den Zuwendungsbescheid gedeckelt.

Der endgültige Termin für den Umzug des Hans-Fitze-Hauses sei zusammen mit dessen Eigentümer, der Sprinkenhof AG, im Dezember festgelegt worden: 1. Juni 2014. Einige Teile des Angebots würden aber schon früher aufgenommen: das Gesundheits- und Zahnmobil, die russischsprachige Beratung und auch die Rechtsberatung.

Der Teufel steckt auch im Detail: Das bisherige selbstverwaltete PFG-Domizil an der Knoopstraße ist häufig auch am Wochenende und in den Abendstunden geöffnet. Im Hans-Fitze-Haus wollen die PFG’ler sich auch selbst verwalten, dort sind die Öffnungszeiten indes auf montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr beschränkt. Das riecht nach Ärger. Stuhlmann glaubt das nicht: „Das ist zu verantworten, die Öffnungszeiten sind mit der PFG abgestimmt und orientieren sich an den Zeiten, die ursprünglich auch für den Container an der Knoopstraße vereinbart worden waren.“

Ein Puzzle-Stück fehlt bisher jedoch: Die Betriebskosten des PFG-Containers sind noch bis Ende März gesichert, danach gibt es kein Geld mehr. Was, wenn der Umzug tatsächlich erst im Juni über die Bühne geht? Stuhlmann: „Da arbeiten wir dran.“ ag