091023KleingaertnerWilhelmsburg – Die Bagger umschwirren Claus Nagel wie die Mücken das Licht. Wie eine Insel steht seine Parzelle auf dem Gelände des ehemaligen Kleingartenvereins 706 nahe der Reichsstraße. Dort wo früher 54 Kleingärtner pflanzten, pflegten und feierten soll der Park der Internationalen Bauausstellung einmal sein. Doch während 52 Parzellenbesitzer bereits verschwunden sind, hält Nagel mit seinem Kater „Socke“ an seinem kleinen Garten fest. Er will nicht kündigen. Denn Nagel, der dem Verein „zornige Gartenzwerge“ angehört, glaubt, dass die anderen Laubenbesitzer „übers Ohr gehauen“ wurden. Sie hätten Pachtaufhebungsverträge unterzeichnen und aus dem Verein austreten müssen. Mit 2500 Euro Bonuszahlung, so Nagel, seien sie „geködert“ worden. Das kommt für ihn nicht in Frage. Denn bei einem solchen Aufhebungsvertrag würde er nach dem Bundeskleingartengesetz entschädigt werden. Und das sieht sowohl beim Erwerb, wie auch bei der Entschädigung niedrige Preise für Kleingräten vor. Nagel möchte mehr. „Ich habe hier viel Geld rein gesteckt“, sagt er. Er spekuliert auf eine Kündigung nach dem BGB. Dann müsste ihm der tatsächliche Wert seiner Parzelle gezahlt werden. Der liegt etwa doppelt so hoch.
Insgesamt sind in Wilhelmsburg rund 320 Parzellen von gekündigt oder von Kündigung bedroht. Viele Kleingärtner wollen das nicht hinnehmen. dl