120514WStrHarburg - Der angekündigte Neubau von acht Wohnhäusern mit jeweils acht Wohnungen auf dem Gelände der Unterkunft Wetternstraße ist geplatzt. Das „sozial ausgerichtete Dienstleistungsunternehmen“ fördern & wohnen hat die entsprechende Bauvoranfrage an das Bezirksamt zurückgezogen.

 

Das bestätigten f&w-Sprecherin Christiane Schröder und Sozialbehörden-Sprecherin Nicole Serocka auf Anfrage von harburg aktuell. Beide betonen, dass es nur eine Grund für den Stopp der Pläne gibt – nämlich „eingeschränkte Finanzmittel“. Mit anderen Worten: Das städtische Unternehmen fördern & wohnen hat nicht genug Geld, seine bisherigen Pläne umzusetzen.

Gleichzeitig kündigt das Unternehmen einen neuen, abgespeckten Plan an: Auf einer freien Fläche der Unterkunft sollen zwei neue Gebäude errichtet und ein altes abgerissen werden. In den Neubauten sollen 20 neue Plätze für Wohnungslose und Zuwanderer entstehen.

Auf die außerdem geplante Container-Unterkunft (Behördenjargon: „Wohnmodule“) für 100 Menschen im nur 300 Meter entfernten Industrie- und Gewerbegebiet Lewenwerder sollen die neuen Plänen für die Wetternstraße keinen Einfluss haben. Schröder: „Da hat sich nichts verändert.“

Wann mit dem Bau der zwei neuen Häuser an der Wetternstraße begonnen wird, steht noch nicht fest. Das hänge von der Entwicklung des Bürgerbegehrens „Massenunterkünfte in Harburg“ ab, sagt Christiane Schröder. Nach stockendem Beginn vermelden die Anwohnerinitiative Wetternstraße, Unternehmer Carsten Metterhausen und Vertreter von unterschiedlichen Fraktionen in der Bezirksversammlung jetzt Tag für Tag neue Erfolge. „Es hat sich wohl herumgesprochen, dass wir nicht gegen etwas sind“, sagt Initiativen-Sprecherin Iwona Mazurkiewicz. „Wir sind vielmehr für eine sozialverträgliche Unterbringung von Menschen, die in Not geraten sind.“ In Massenunterkünften für 100 und mehr Menschen sei das nicht möglich. Mazurkiewicz: „Toll, wie die Harburger uns inzwischen unterstützen.“

Bei der Harburger SPD dürften die neuen Pläne für die Wetternstraße nicht gerade auf Begeisterung stoßen. Bisher hatte man die Anwohner immer damit beruhigt, dass in die acht Wohnhäuser mit insgesamt 64 Wohnungen vor allem Familien einziehen sollen. Das würde die Situation in der Unterkunft und damit auch für die Anwohner verbessern. Das ist jetzt hinfällig. So spricht fördern & wohnen denn auch nur von einer „Standardverbesserung der Unterkunft“, nicht aber von einer Verbesserung für die Anwohner. Die Bezirkspolitiker wollten zur der neuesten Entwicklung noch keine Stellungnahme abgeben, sie wurden selbst überrascht und wollten sich zunächst informieren.

Noch aus einem anderen Grund könnte der Planstopp für Harburg ärgerlich werden. Die 64 jetzt nicht mehr gebauten Wohnungen sollten für das Wohnungsbaukontingent von je 600 Wohnungen pro Jahr angerechnet werden, zu dem sich das Bezirksamt gegenüber dem Senat verpflichtet hatte. „Welche Auswirkungen das auf das Kontingent hat, können wir erst sagen, wenn uns die neue Bauvoranfrage vorliegt“, sagt Bezirksamtssprecherin Petra Schulz. mz