120427VoelschHeimfeld - Das Schlimmste kam zuerst. Der Konsolidierungskurs wird Harburg „hart treffen“. Der, der es sagte, Bezirksamtsleiter Thomas Völsch, muss es wissen. Die, die es hörten, die Gäste der Monatsveranstaltung des

Wirtschaftsvereins, welcher im Privathotel Lindtner stattfand, werden es verstanden haben.

 

Harburgs Verwaltung, so die Ankündigung, wird Personal abbauen. Die fehlenden Menschen sollen nach Möglichkeit durch Technik ersetzt werden. Das daran hieran kein Weg vorbei führt, daran ließ Völsch keinen Zweifel. „Die Zinslast nimmt uns die Luft. Zukünftige Generationen wird sie erdrücken.“ Dann ein Appell, den die Wirtschaftslenker an diesem Abend noch mehrfach hörten. „Ich bitte um Unterstützung für diesen Weg“, sagte Völsch an dieser und an späteren Stellen.

Aufmerksamkeit brachte Völschs Ankündigung bis Herbst ein Gewerbeflächenkonzept für den Bezirk zu erarbeiten. Besonders charmant: Er will auch die Flächen einbeziehen, auf die der Bezirk gar keinen Zugriff hat und zwar die Grundstücke der Hamburg Port Authority (HPA). Und auch bei den Flächen für die A26, deren Bau er auch auf Hamburger Seite einfordert, weil sich sonst der Verkehr aus Niedersachsen von einer dort endenden Autobahn „ selbst seinen Weg durch Harburg sucht“, hat der Bezirk kein Mitspracherecht.

Was der Bezirk machen kann, ist schnell umrissen. Die Verwaltung kann schneller werden. Da sitzt der Mann genau an der richtigen Stelle, denn der Bezirksamtsleiter ist der Verwaltungschef. Das abschreckende Beispiel, das Völsch wählte, zeigt das gesamte Verwaltungs- aber auch Bezirkspolitikdilemma, dem Harburg bislang ausgesetzt ist: die Röttiger-Kaserne. 2001 wurde der Abzug der Bundeswehr entschieden. 2004 machte der letzte Soldat das Kasernentor zu. 2009 begann die erste Anhörung. Gebaut wird immer noch nicht. Was Völsch nicht mit einfügte: Das von der SPD modifizierte Konzept für das Baugebiet findet aktuell nicht die Zustimmung von Bauexperten.

Die Unterstützung der Wirtschaft wurde bereits 2001 ausgeschlagen, als Hamburg einen bereits komplett unterschriftsreifen Vertrag mit der Sparkasse Harburg Buxtehude unmittelbar vor dem Notartermin kippte. Offenbar glaubte die Stadt es selbst besser zu können. Vermutlich aber war Gewinnmaximierung das Ziel.

Dabei würde Völsch gern die Preisgestaltung bei städtischen Grundstücken als Instrument der Förderung nutzen. „Die Preiserwartungen auch der Stadt sind manchmal übertrieben“, so seine Erkenntnis. Doch auch hier ist Harburgs Bezirksamtsleiter wieder nur der Mann, der sich was wünschen kann. Verkauft werden die Grundstücke über die Finanzbehörde.

Natürlich fehlte nicht das Thema Innenstadt, das „Sorgenkind“, wie Völsch sie nennt. „Lang und umständlich“ wird es nach seiner Einschätzung werden, hier etwas zu ändern. Konkret wird es nur beim Schmuddel-Tunnel, der noch in diesem Sommer aufgehübscht wird. Das ist der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Alle anderen Probleme: Schreckliche Architektur, verrottende Bauten wie das Harburg Center, schlechter Angebotsmix, Immobilienbesitzer, die nichts tun, aber auch nicht an Investoren verkaufen wollen, sind Dinge, die Harburg belasten, aber vom Bezirksamt nur indirekt oder gar nicht beeinflusst werden können.

Und auch die von Völsch wohl gemeinten Worte, dass Harburg „das Zeug habe, in der oberen Liga zu spielen“, bedeuten eines: Man wurstelt, abgesehen von einem wirklich gut funktionierenden Binnenhafen, in der Kreisklasse. „Wir brauchen ein Bild, was Harburg ist und sein kann“, so Völsch Erkenntnis. Dann könne man seine Funktionen wie Wohnen, Wirtschaft, Einkaufen definieren. Klingt, als fange man bei Null an. zv