120322AmpelHarburg - Das darf doch nicht wahr sein: Sehbehinderte und Blinde leben in Harburgs Innenstadt in ständiger Gefahr und müssen zum Teil lange Umwege in Kauf nehmen. Und das nur, weil das bezirkliche Fachamt Tiefbau

und Stadtgrün nicht genügend Personal hat, ihr Leben ein wenig sicherer zu machen. Das Geld für Blindenampeln, Bordsteinabsenkungen und Farbmarkierungen ist zwar da, ein größerer fünfstelliger Betrag ist bisher aber nicht angerührt worden.

Den Grund nannte Fachamtsleiter Gerrald Boekhoff jetzt im Ausschuss für Inneres, Bürgerservice und Verkehr: „Ich habe nur zwei Bauleiter, und die hatten ganz erheblich mit der Umsetzung des Konjunkturprogramms zu tun.“ Da sei einiges liegen geblieben.

 

Was das für Sehbehinderte und Blinde bedeutet, schilderte Bezirksseniorenbeirat Friedrich-Wilhelm Jacobs auf Antrag der Fraktion Die Linke eindrucksvoll: Wer zum Beispiel vom Cinemaxx auf die andere Straßenseite zur Volkshochschule, zur Bücherhalle oder in eines der Geschäfte dort wolle, sei aufgeschmissen. An den Ampeln gebe es keine akustischen Signale. Deshalb warteten die Behinderten auf den nächsten Bus und fahren damit in die Bremer Straße. Dort gibt es entsprechend ausgerüstete Ampeln (Foto), an denen sie die Straße gefahrlos überqueren können. Danach gingen sie dann über den Krummholzberg zurück und seien endlich am Ziel.

Jacobs: „Überall in der Harburger Innenstadt fehlen Piepampeln, Markierungen oder Absperrgitter am Radweg.“ Gegenüber von den Harburg Arcaden lauere am Eingang zum S-Bahntunnel sogar eine tödliche Gefahr für Sehbehinderte. Sie liefen geradewegs auf die Treppen zu, ohne dass sie durch Riffelplatten davor gewarnt würden.

Ein Grund für die Verzögerungen könnte auch in den Zuständigkeiten liegen. Boekhoff: „Der Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer betreut die Ampeln. Wir können unsere Vorschläge nur weitergeben.“ Mit diesen Auskünften wollen sich die Politiker nicht zufrieden geben. Ausschussvorsitzender Ernst Hornung (CDU): „ Das alles geht ein bisschen schleppend voran. Ich schlage vor, dass das Bezirksamt die Geschwindigkeit übernimmt, die es beim Wohnungsbau an den Tag legt.“ mz