120223GildeHarburg – Wäre die Gilde ein Schiff, es wäre in schwerer See. Jetzt wurde SOS gefunkt, der Kahn droht zu sinken. So jedenfalls könnten die Aussagen auf der Jahreshauptversammlung der Gilde gedeutet werden.

Ingo Mönke, Deputationsmitglied, beschwichtigt. „Von einer Auflösung der Gilde kann keine Rede sein. Es wird das Vogelschießen geben und auch der Winterball steht nicht zu Debatte. Es musste aber mal drastisch ausgesprochen werden wie Situation ist. Sonst hätten es einige nicht begrffen. Wir müssen jetzt gegenhalten.“

Die Fakten: Die 1528 von Herzog Otto als Bürgerwehr gegründete Schützengilde leidet unter Mitgliederschwund. Nachwuchsgewinnung entpuppt sich als äußerst schwierig. Die Altersstruktur der Gilde verrät: Man wird in den kommenden Jahren weiter Mitglieder verlieren.

Das Gildehaus hat sich als Klotz erwiesen. Es gehört der Harburger Schützengilde, 1996 wurde es modernisiert. Noch sind rund 240.000 Euro Darlehen abzuzahlen. Jetzt springt auch der Wirt ab. „Dani“ lässt den Vertrag Ende kommenden Monats auslaufen. Ein neuer Wirt, der traditionelle deutsche Küche anbietet, ist nicht in Sicht. Finanzieller Ausfall:  Fast 40.000 Euro im Jahr. Besonders Pech: Das Gebäude macht nicht gerade an. Dunkel, wenig Fenster. Mauern statt Glas dort wo man Sicht auf den Hafen und Hamburg hat. Krach-Rustikal.

Tschingderassabum liegt in der Luft. Die Gilde sucht nach einem neuen Konzept, um auch Studenten und andere Nicht-Schützen besser anzusprechen. „Man wird sich da Gedanken machen und auch neue Wege gehen müssen“, so Mönke. Mittlerweile kann man sich auch andere Küche im Gildehaus vorstellen. „Wir werden vor allem auf Studenten zugehen. Die TU als Nachbar bietet die Chance. Das bedeutet, dass wir auch Angebote auf deren Bedürfnisse zuschneiden müssen“, so Mönke.

Problem Sponsoren. „Alle sagen, dass sie die Gilde wollen. Dann muss man sich auch mehr damit solidarisieren und engagieren, auch finanziell.“, so Mönke. Ein Förderkreis soll neue Gönner finden.

Problem Festplatz. Schausteller machen einen Bogen um den Schwarzenberg. Veranstaltungen, die ein neues Publikum ansprechen sind nicht da. Zuletzt hatte Lotto King Karl das Festzelt richtig gefüllt, das ist aber Jahre her. „Wir werden jemanden brauchen, der mit frischen Ideen dort Veranstaltungen durchführt. Die Infrastruktur stellen wir“, so Mönke.

Positiv: Veranstaltungen wie das Spargelessen sind weiter ein Renner. Mönke: "Aber auch hier müssen wir etwas tun. Wir müssen vor allem Mitarbeiter der neuen Firmen im Binnenhafen dafür begeistern zum Spargelessen auf den Schwarzenberg zu kommen."

Neu in der Organisation: Die Deputation ist geschrumpft. Karl-Heinz Böttcher, Frank Kirste und Mathias Martens scheiden aus. Jetzt werden sechs statt neun Deputationsmitglieder das Schicksal der Gilde bestimmen. Es sind Michael Gögel, Enno Stöver, Norbert Buchholz, Ingo Mönke, Sven Müller und Conrad Bader. zv