120222HausLangenbek - Ein geplantes Hospiz erregt die Gemüter am Blättnerring. Bereits im Frühjahr 2013 sollen im dann ehemaligen Gemeindehaus der evangelisch lutherischen Kirchengemeinde Sinstorf die ersten Todkranken einziehen, um dort ihre letzten Tage oder Wochen zu leben. Einzelne Anlieger möchten das Sterben in ihrer Nähe am liebsten verbieten. Sie fordern unter anderem einen Sichtschutzzaun. Zwei Nachbarn haben bereits einen Anwalt eingeschaltet.

Der Blättnerring ist so etwas wie ein  kleines Stückchen vom Paradies. Einfamilienhäuser säumen die Spielstraße, in der Kinder mit ihren Rollern fahren. Ein kleines Wäldchen grenzt an die Straße. Am Ende steht das Gemeindehaus, das vor 20 Jahren als letztes Gebäude in dieses Idyll gesetzt wurde. Die klamme Gemeinde will das Gebäude loswerden. Vermutlich auch um das andere Gemeindehaus gegenüber der Sinstorfer Kirche wieder fit zu machen. Der Käufer wird das DRK.

Für Harald Krüger, Geschäftsführer des DRK-Harburg ist das Gemeindehaus, das als "Haus am Wäldchen" firmiert, eine Traumimmobilie. Er findet das Haus ideal für die Verwirklichung eines Hospizes. Das hat Harburg dringend nötig. "Weit über zehn Jahre wird davon geredet", sagt Krüger. Problem Nummer 1, das Geld, ist gelöst. Eine Million Euro zahlt das DRK. Eine Million kommen von den weiteren Projektbeteiligten. Der Rest für das 2,8 Millionen Euro teure Projekt wird als Darlehen aufgenommen.

Problem Nummer 2 war die richtige Immobilie. Die ist, finden Krüger und seine Mitstreiter, das Gemeindehaus. Lichtdurchflutet, großzügig und vor allem mitten im Leben, in einer Straße, in der Menschen wohnen, Kinder lachen und im Sommer der Grillduft durch die Gärten zieht. Das es Ärger gibt, hat sich Krüger gedacht. "Man hätte natürlich ein Hospiz in einem Gewerbegebiet oder irgendwo an der Autobahn bauen können", sagt er. Das hätte den Ärger vermieden, wäre aber nicht im Sinne der Sache gewesen.

Anwohner sehen das anders. sogar Wertminderung von Grundstücken wird geltend gemacht. "Wir werden uns sicher in vielen Dingen einigen können", kündigt Krüger an. Dazu gehört auch, dass der Leichenwagen, der statistisch 140 Mal im Jahr das mit maximal zwölf Patienten belegte Hospiz anfahren muss, möglichst diskret zu vorher vereinbarten Zeiten kommt. Eines wird es laut Krüger aber sich nicht geben. Das man sich mit Spendengeldern von Protesten freikauft. Rechtlich sieht sich Krüger ohnehin auf der sicheren Seite. "Der Bauvorbescheid ist bereits positiv beschieden", sagt er. Der Kaufvertrag ist bereits unterschriftsreif.

Mit den Anwohnern sind Vermittlungsgespräche geplant. Auch um unbegründete Ängste und sorgen zu vertreiben. Angesichts Sterbender im Nachbarhaus wird sich so mancher Anwohner vermutlich fragen, ob man dann noch Lachen, Grillen oder in seinem Garten ausgelassen feiern kann. "Kann man", meint Krüger. Immerhin wird auch im Hospiz in allererster Linie gelebt. zv