120126LokEhestorf - Es ist ein echtes Schwergewicht, das da jetzt in das Agrarium des Freilichtmuseums Kiekeberg gebracht wurde. Satte 19 Tonnen wiegt die 1918 in Leeds in England gebaute Dampfpfluglokomotive.

Sie misst 7,50 Meter in der Länge und rund 5 Meter in der Höhe. Vor 20 Jahren kaufte das Freilichtmuseum am Kiekeberg die Fowler und brachte sie von England nach Ehestorf. Bislang hatte sie ihren Platz in der Dauerausstellung zur Geschichte des Landkreises Harburg - denn auch hier wurden auf einem Gut in der Lüneburger Heide einst mit Dampfmaschinen die Felder bearbeitet.

Im neuen Agrarium steht sie nun neben zahlreichen anderen historischen Ackergeräten. Sie zeigt, wie von der Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein industrialisierte Landwirtschaft betrieben wurde. Ab dem 5. Mai wird sie im Agrarium zu bestaunen sein.

Eingesetzt wurde die Fowler zum Dampfpflügen. Da kleine Bauern sich solche Maschinen nicht leisten konnten, kamen sie vor allem auf den großen Gütern Ostdeutschlands zum Einsatz. Für das Pflügen mit Dampf waren immer zwei Dampflokomotiven notwendig. Sie wurden an den gegenüberliegenden Seiten eines Feldes aufgestellt und zogen mit Seilwinden einen Kipp-Pflug hin und her. Zu einem Gespann gehörten außerdem ein Wasserwagen und ein Kohlewagen - eine Maschine verbrauchte rund 40 Zentner Kohle am Tag und rund 600 Liter Wasser pro Stunde. Außerdem gab es einen Mannschaftswagen für die 20 Mann Besatzung, die die Maschine in Gang hielten. Bis zu 14 Hektar am Tag ließen sich mit dieser Technik beackern. Das war ein großer Fortschritt gegenüber dem klassischen Pflügen mit Pferden.

Das Agrarium eröffnet am 5. Mai 2012 und zeigt dann heutige Technik, frühere Arbeitsweisen und die Herstellung von Lebensmitteln in Landwirtschaft und Industrie auf anschauliche Weise. "Das Freilichtmuseum am Kiekeberg zeigte schon immer die Landwirtschaft als lebendigen Arbeitsbereich, der sich ständig modernisiert", sagt Museumsdirektor Professor Dr. Rolf Wiese. "Mit dem Agrarium schaffen wir eine Verbindung von unseren historischen Maschinen zu den modernen Techniken von heute. Wir zeigen ganz bewusst Landwirtschaft und Ernährungsindustrie, wie sie heute arbeiten. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Zukunft: Wo stehen wir in zehn Jahren?"

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg entwickelt eine Ausstellung nach einem in Deutschland einmaligen Konzept, ähnlich dem eines Science Centers, in dem sich Besucher Wissen über die vielen Facetten des Ernährungsbereichs aktiv aneignen. Interaktive Experimente gehören ebenso zum Inhalt wie Gruppenprogramme und Veranstaltungen. Dazu kooperiert das Museum mit vielen Betrieben in der Region. dl