110601JuInArBinnenhafen - Absehbar war es. Jetzt ist es beantragt. Der Verein Jugend in Arbeit Hamburg e.V. hat Insolvenz beantragt. Das Verfahren ist bereits am 27. Mai unter dem Aktenzeichen 67b IN 122/11 beim Amtsgericht Hamburg eröffnet worden.  "Zu dem Insolvenzantrag sah sich der Vorstand gezwungen, da in Kürze die Zahlungsunfähigkeit droht", heißt es in einer Stellungnahme der Vorstandsmitglieder Winfried Schwehn und Dr. Claus Kemmet. Der Vorstand bedauere die Entwicklung und verstehe gleichzeitig nicht die Politikverantwortlichen in Hamburg, die auf die Signale von Jugend in Arbeit nicht reagiert hätten.
Bereits Mitte Mai hatten die Verantwortlichen bereits angekündigt, dass vor dem Hintergrund sinkender Beschäftigung die Rücklagen von ehemals 1,2 Millionen Euro bald aufgebraucht seien. Der Betrieb der Werft mit seinen über 200 Mitarbeitern, darunter viele Ein-Euro-Jobber, aber auch rund 50 Lehrlinge, kostet monatlich rund 150.000 Euro. Tatsächlich bräuchte Jugend in Arbeit um die 400 über öffentliche Mittel geförderte Mitarbeiter, um zukunftsfähig zu bleiben. Das die Zahl nicht mehr erreicht wird, hängt mit Einsparungen bei den Fördermitteln seitens der Bundesagentur für Arbeit, aber auch Hamburgs zusammen.

Wie es weiter geht ist unklar. als vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Hamburger Rechtsanwalt Jens-Sören Schröder bestellt worden. Am Mittwoch fand zwischen ihm und den bislang Verantwortlichen des Vereins eine Krisensitzung statt. Der Plan ist es den Verein weiter zu führen. Die kommenden Monate werden ergeben, ob das bislang vorläufige Verfahren in eine endgültige Insolvenz übergeht. "Wir werden alle Chancen ausloten, die es gibt, um die Insolvenz noch abzuwenden", so Schröder. Die einzig reelle Chance ist, dass die Stadt Gelder zur Verfügung stellt.

Jugend in Arbeit wurde als Verein 1983 gegründet. "Als Beschäftigungs- und Qualifizierungsträger für Langzeitarbeitslose und junge Erwachsene bietet der Verein zeitlich befristete Arbeitsangebote, Berufsvorbereitungs- und Ausbildungsgänge vor allem im gewerblich-technischen Bereich an", heißt es in der Selbstdarstellung.
In den vergangenen Jahren wurde dort zahlreiche historische Schiffe wie die Schaarhörn, der 1913 gebaute Hafenschlepper Claus D. oder die historische Alsterbarkasse Aue restauriert. 2008 bauten Jugendliche eine römische Galeere nach. "Mit seinen Projekten hat Jugend in Arbeit maßgeblich das maritime Erbe Hamburgs gesichert und geprägt", so der Vorstand. Noch biete das vorläufige Insolvenzverfahren die Möglichkeit das endgültige aus zu verhindern. zv