Harburg – Seit 2012 präsentiert sich die TUHH als „Technische Universität Hamburg“, verzichtet auf den Zusatz „Harburg“.  2016 änderte die Hochschule

entsprechend auch ihr Logo – und einige deuteten sogar das zweite „H“ im Uni-Kürzel um: statt „Hamburg-Harburg“ nun eben „Hansestadt Hamburg“.  Das alles hatte Folgen, zunächst eher kleine, wenig beachtete. Bis einigen Busfahrgästen der neue Name einer Haltestelle an der Eißendorfer Straße auffiel, auch dort stand nun „Technische Universität Hamburg“. Prompt empörten sich einige mehr. Inzwischen ist sogar von „Verrat“ die Rede, die ehemalige Wirtin des Consortiums in der Neuen Straße, Ulli Schweer, fragt bei Facebook: „Was sollen wir uns noch alles gefallen lassen?“

Verrat? Was wird verraten? Geht es um das weit verbreitete unterschwellige Gefühl, dass Harburg irgendwie vernachlässigt wird? Rita Doobe, Jahrgang 1931, nach eigenen Angaben „erste Mitarbeiterin der Technischen Universität Hamburg-Harburg“, präzisierte in einem Offenen Brief den Verrats-Vorwurf: „Das Ganze empfinde ich wie einen Verrat an den Menschen, die die schwere Aufbauarbeit für unsere Technische Universität in Harburg geleistet haben.“

Darauf meldete sich auch noch Harburgs emeritierter Propst Jürgen F. Bollmann zu Wort: „Die Geschichte der TUHH ist eng mit der Entwicklung Harburgs verbunden. Beide haben in den letzten Jahrzehnten viel  Gutes voneinander gehabt.“ Es gebe nur noch wenige Institutionen, die den Namen Harburg über seine Grenze hinaus bekannt halten können. Das Image eines Stadtteils hänge wesentlich von seinen ihn tragenden Institutionen ab. Bollmann: „Harburger können deshalb nicht zulassen, dass ein wichtiger Pfeiler durch eine überflüssige Namensänderung weggerissen wird, zumal es für die TUHH bisher kein Nachteil war, Harburg in ihrem Namen zu führen.“

Wie andere auch gruselt es Bollmann bei dem Gedanken, dass Universitätsklinik Eppendorf“ müsse sich künftig „Universitätsklinik Hamburg“ nennen. Andere wiederum, die mit dem neuen Namen der TUHH gut leben können, frotzeln: „Dann müsste die Universität Hamburg künftig als Universität Rotherbaum geführt werden.“

Rüdiger Bendlin, Chefkommunikator der TUHH, versteht die Aufregung nicht ganz. Die Namensänderung sei ja nicht von heute auf morgen gekommen, außerdem habe das TU-Präsidium von Anfang an mit den Politikern gesprochen und man sei sich immer einig gewesen. „Es stimmt aber, dass im Hamburger Hochschulgesetz noch der alte Name geführt wird“, sagt Bendlin. Im Zuge der jetzt gestarteten Wachstums-Initiative für die TUHH könnte das aber geändert werden. Bendlin: „Von Verrat kann doch wirklich keine Rede sein, wir bekennen uns doch zu Harburg, engagieren uns im Stadtteil, unterstützen lokale Initiativen.“ Nach außen hin sei die Kommunikation mit dem neuen Namen aber weniger kompliziert, kurioserweise hielten viele Hamburger von nördlich der Elbe die Technische Universität für im Landkreis Harburg angesiedelt. ag

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Lesermeinungen

Gleiches ist doch auch mit dem Channel „Harburg“ geschehen. Warum heißt dies eindeutig in Harburg liegende Gebiet „Channel Hamburg“, Wegnahme der Insel Wilhelmsburg,….Ich schließe mich der Äußerung an, WAS lässt sich „Die Stadt“ Harburg noch alles gefallen?
Bernd Flügge

Der Vergleich der "anderen", die in dem Artikel vorkommen un die meinen man müsste auch die Uni Hamburg stadteilisieren, hinkt. Es ist der dümmliche Versuch Kritk ins lächerliche zu ziehen. Es geht hier in Harburg um die Änderung eines etwa ein Vierteljahrhundert alten Namens, mit dem die Uni gegründet wurde. Die TU hat den Zusatz weggewischt wie eine lästige Schmeißfliege. Das man nach 25 Jahren darauf kommt, dasss die Kommunikation nach außen schwieriger ist, nenne ich mal eine "lange Leitung". Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass der Erfolg und das Wachstum der TU deren Verantwortlichen dazu getrieben hat den auf sie vielleicht provinziell wirkenden Namen abzuändern. Oder anders ausgedrückt. Harburg ist ihnen einfach zu piffig oder peinlich.
Richard Lange