Harburg –  Das zähe Ringen um den Erhalt eines Stücks Harburger Identität hat sich offenbar gelohnt. In der Öffentlichen Plandiskussion sorgte der Kompromiss aus

Denkmalschutz, Gesundheitsvorsorge und Wirtschaftlichkeit für die künftige Nutzung des Areals der ehemaligen New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie für Begeisterung. Es gab kaum ein kritisches Wort, dafür viel Lob und eine Reihe von konstruktiven Vorschlägen. Selbst Harburgs Baudezernent Jörg Penner zeigte sich überrascht: „Das gibt es bei Plandiskussionen selten. Meistens werden Interessen vertreten, die am eigenen Gartenzaun enden.“

Was zwei Fachbehörden, das Bezirksamt Harburg, Investoren, Architekten und Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter da ausgehandelt haben, wird das Binnenhafenquartier schmücken. Heiko Ostmann, Absolvent der TU Hannover (heute: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover) und heute einer der führenden Köpfe des schweizerischen Planungsbüros tec Architecture, hat die Pläne noch einmal im Schnelldurchgang vorgestellt.

Erhalten bleiben das Gebäude der Kammfabrik, das Kesselhaus gleich nebenan und die Fassade der früheren Gummiproduktion entlang der Neuländer Straße. Die  stark nitrosaminverseuchten Bereiche hinter der Fassade können allenfalls noch als Parkhaus genutzt werden. Diese eingeschränkte Nutzung hatte schon früh zu Überlegungen geführt, mit großzügigen Neubauten auf dem Gelände für eine wirtschaftliche Kompensation zu sorgen.

Mit einem 65 Meter hohen Tower, der Aufstockung der Kammfabrik um drei Geschosse, einem 45 Meter hohen Neubau auf dem alten Kesselhaus, einem langgestreckten Neubau um zwei Ecken für studentisches Wohnen und/oder Micro Appartements und einem Neubau „Sockelgeschoss“ an der Ecke Neuländer Straße/Nartenstraße hat die Kompensation jetzt wohl ihre endgültige Gestalt gefunden. Auf insgesamt knapp 42.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche (zum Vergleich: das Phoenix Center hat eine Verkaufsfläche von gut 28.000 Quadratmeter) sollen Wohnungen (große und kleine, „bezahlbare“ und exklusive), Büros, Einzelhandel und eventuell auch ein Fitnessbereich (Ostmann: „Das ist noch offen.“) untergebracht werden.

Der Clou des neuen HafenQuartiers sind aber kleine Details, zum Beispiel ein „Pocket Park“ zwischen den Gebäuden, gläserne „Sky Decks“ auf der alten Fassade oder die Idee, das Hochhaus nicht – wie in Hamburg üblich – aus Stahl und Beton zu bauen, sondern aus roten Ziegeln. Aber nicht wie gehabt, sondern nach einer Idee, die Ostmann gerade aus Marokko mit gebracht hat (siehe Foto).

Die Binnenhafen Community hörte sich das alles an und steuerte gleich ein paar weitere Ideen bei. So fände man es gut, wenn möglichst viele Bereiche des Areals öffentlich zugänglich seien, vor allem aber sollte die Chance genutzt werden, möglichst viel Historisches zu erhalten und angemessen erlebbar zu machen. Zumindest für einige Maschinen aus der Kammfabrik kommt dieser Wunsch zu spät: Als die Stahlpreise wegen der großen Nachfrage aus China „durch die Decke gingen“, sollen einige von ihnen ohne Wissen des Investors spurlos verschwunden sein. ag

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