Gut Moor – Auf den Wiesen an der Landesgrenze zu Niedersachsen südlich des Großmoordamms darf nicht gebaut werden. So steht es im Bebauungsplan „Gut Moor 1“,

der vor noch nicht einmal drei Jahren beschlossen worden war. Das Grünland soll als ökologische Ausgleichsfläche für den Bau der A26 durch die Süderelbmarsch genutzt werden. Umso erstaunter waren Anwohner und Naturschützer, als vor einigen Wochen plötzlich ein Kampfmittelräumdienst anrückte und gleich ein paar provisorische Baustraßen mitten durch die Wiesen anlegte.

Nachfrage beim Bezirksamt, dessen Sprecherin Bettina Maak nach einer längeren Recherche bestätigte: „Ja, dort wird nach Kampfmitteln sondiert. Aktuell werden sieben Stellen mit Verdacht auf Bombenblindgänger untersucht.“  Die gleiche Antwort bekam auch die Fraktion der Neuen Liberalen. Da für die Bergung auch schweres Gerät gebraucht werde und der Boden sehr feucht sei, müsste temporäre Baustraßen angelegt werden. Außerdem werde lokal mit Genehmigung der Umweltbehörde auch das Grundwasser abgesenkt, um die Verdachtspunkte besser untersuchen zu können.

Und wozu das alles? Im Bebauungsplan war festgelegt worden, dass „vor naturschutzfachlichen Maßnahmen, die in den Boden eingreifen“, die Flächen nach Kampfmittel abgesucht werden sollen. Die Fläche wurde als „extensives Feuchtgrünland“ festgesetzt, das „zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft als zweischürige Wiese oder als Mähweide mit maximal zwei Tieren je Hektar zu entwickeln und zu erhalten“ sei  (zweischürig = wird zweimal im Jahr gemäht). Dass diese Flächen schon seit Jahren in Ruhe gelassen worden sind, hat unter anderem dazu geführt, dass sich anders als noch in den 90er-Jahren Feldschwirl und Wachtelkönig niedergelassen haben. Die früheren Kiebitzstände sind dagegen ein Stück weiter auf die Neuländer Wiesen östlich der Autobahn gezogen.

Gut Moor und seine  Wiesen waren immer heiß begehrtes Terrain. Auf der Suche nach weiteren Flächen für Logistikbetriebe hatten die Planer der Wirtschaftsbehörde stets auch ein Auge auf das unbebaute Grünland nahe der Autobahn geworfen. Einige träumten schon von einem Autobahnanschluss in Höhe Meckelfeld, der über eine „leistungsfähige Schnellstraße“ quer über die Wiesen zu erreichen sein sollte. Gefreut hätten sich darüber vermutlich nur die Kanzlershofer Siedler, die endlich den länderübergreifenden Schleichverkehr losgeworden wären. Und wahrscheinlich auch die Anwohner des Straßenzugs Jägerstraße und Vogteistraße, die täglich erleben müssen, wie stümperhaft die angeblich gemeinsame Verkehrsplanung in der südlichen Metropolregion ist.

Hartnäckigster Verteidiger  der Wiesen war der Harburger Bezirkspolitiker Ronald Preuß von den Grünen. Immer wieder brachte er den Schutz dieses Areals auf die Tagesordnung, ließ es in der damals noch aufsehenerregenden Koalition mit der CDU in den Koalitionsvertrag aufnehmen. Dass der Schutz der Wiesen in einem Bebauungsplan festgesetzt wurde und damit Gesetzeskraft hatte, hat der 2013 verstorbene Preuß nicht mehr erlebt. ag