Harburg – Die autogerechte Innenstadt ist passé. Schritt für Schritt wird anderen Verkehrsteilnehmern mehr Platz eingeräumt. Der rot-grüne Senat hat das Ziel vorgegeben: Fahrradstadt Hamburg.

Dafür werden unter anderem 14 Velorouten angelegt.

Eine dieser Routen, nämlich die Veloroute 11, führt vom Hamburger Rathaus quer durch Wilhelmsburg bis hin zur Technischen Universität Hamburg, Eingang Denickestraße. Um dem Anspruch gerecht zu werden, dass die Routen „attraktiv sowie sicher und zügig zu befahren sind“, muss einiger Aufwand betrieben werden – besonders in der Harburger Innenstadt. Die Pläne dafür haben Heinke Wiemer vom Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer (LSBG) und Daniel Reinke vom Ingenieurbüro Münster jetzt im Fachausschuss Inneres, Bürgerservice, Verkehr der Bezirksversammlung vorgestellt.

Kaum wird 2019 (wenn alles gut geht) die neue Hannoversche Brücke fertig sein, wird nebenan auf der großen Kreuzung gebuddelt. Die gewohnten Radweg werden eingestampft, dafür werden auf den Fahrbahnen Fahrradstreifen angelegt. Und so geht es weiter über Moorstraße, Wilstorfer Straße, Harburger Ring bis hoch zum Finanzamtsknoten. Das ist der schwierigste Abschnitt. „Aber“, so Reinke, „wir bringen die Bürger dazu, mehr Rad zu fahren.“ Als einige Mitglieder des Ausschusses hörbar stöhnten, sagte Reinke noch: „Jedenfalls hoffe ich das.“

Überall im Innenstadtbereich werden Radwege aufgelöst, die Radfahrer werden künftig auf die Straße geschickt, wo spezielle Streifen für die angelegt werden. „So sind sie auf jeden Fall für die Autofahrer besser sichtbar“, sagt Reinke. Ob das in der Praxis immer klappt, muss sich erweisen – vor allem am Harburger Ring, wo es zum Beispiel zwischen Schloßmühlendamm und Finanzamtsknoten eine einzige superlange Reihe von Bushaltestellen gibt. Hier werden die Radfahrer außen zwischen Bussen und Autos vorbeigeführt. Fast minütlich fahren hier Busse ab und kreuzen den Fahrradstreifen.
Das sei immer noch besser für die Radfahrer, als sich zwischen Hunderten von wartenden oder drängelnden Busfahrgästen einen Weg zu bahnen, meinte der Verkehrsplaner.

Für die Velorouten müssen Autofahrer auf ein wenig Komfort verzichten: Von den 70 Stellplätzen an der Route im Innenstadtbereich bleiben nur noch 46 übrig. Nicht schlimm, findet der Planer, in den Parkhäusern sei genug Platz. Und auch für die 55 Bäume – unter anderem die Platanen in der Moorstraße, die gefällt werden müssen, soll es Ersatz geben. Geplant sind jedenfalls 62 neue Bäume.
Was kostet das Ganze? Genaue Angaben können erst gemacht werden, wenn die Details geplant sind. Im Haushalt sind aber schon 14 Millionen Euro eingestellt, versicherte Heinke Wiemer. ag