Harburg – Es liegt etwas versteckt auf dem Hinterhof hinter der ehemaligen Kneipe Consortium an der Neuen Straße, das Geburtshaus der

Elbhebammen, in dem um die 60 Harburger im Jahr das Licht der Welt erblicken. Das Interesse an der von Hebammen geführten Einrichtung dürfte größer werden. Mit dem der Geburtsabteilung im Krankenhaus Harburg, die Ende des Monats schließt, verliert Harburg den von Hebammen geführten Kreissaal. Ob es so eine Einrichtung im Krankenhaus Mariahilf geben wird, das seine Geburtsabteilung ausweiten soll, ist unklar. Auf das kleine Geburtshaus und den dort tätigen Elbhebammen, dürften deutlich mehr Anfragen zukommen.

„Die natürliche Geburt ist wirtschaftlich unattraktiv“. Dieser Satz von Hebamme Ricarda Sitan beschreibt das Grundproblem, das die aktuelle Diskussion befeuert. Denn die medizinische Versorgung ist ein hartes Geschäft für die Anbieter. Staatliche Vorgaben und Pauschalbeträge, auch für Geburten, lassen ihnen wenig Spielraum, wenn es darum geht einen Kreissaal im Krankenhaus wirtschaftlich am Leben zu erhalten.

Bei den Elbhebammen wirkt das anders. Es gibt Kaffee im vorderen Bereich des Gebäudes, wo einmal die Kneipe ihre hinteren Rume hatte. Es ist dieser leicht chaotische, aber durchaus sympathische Stil, der den Hauch von alternativen Leben in einer durchtechnisierten Welt versprüht. Natürlich eben. Das passt. Ein Kind zur Welt zu bringen ist keine Krankheit.

Man sollte sich von dem Eindruck des Alternativen nicht täuschen lassen. Die Hebammen kennen die Grenzen der Natürlichkeit sehr genau. „Wir wissen schon, dass Klangschüsseln nicht bei starken Blutungen helfen“, sagt Sitan. Deshalb verdammt sie nicht das klinisch aufgestellte Krankenhaus in der Nähe. Ganz im Gegenteil. Sie begrüßt, dass es da ist. „Wenn es gebraucht wird, wird es genutzt“, sagt die Hebamme. sofort und ohne Wenn und Aber. Und auch das Geburtshaus selbst ist mit moderner Technik ausgestattet. Nicht so aufdringlich aufgestellt, wie in einem Krankenhaus. Aber sie ist da. „Natürlich verfügen wir über die Technik für die Diagnostik oder für Notfälle“, sagt Sitan. Aber das ist eben für den Fall gedacht, dass es Probleme gibt. Dass früher viele Frauen bei der Geburt starben, ist bekannt. Heute geht man nicht das kleinste absehbare Risiko ein. „Hebammen dürfen nicht umsonst Medikamente geben oder Spritzen setzen“, sagt Sitan.

Das zu den Worst-Case-Szenarios. Die Dokumentation der Geburten, die Pflicht und umfangreich ist, sagt vor allem eines aus: Bei der außerklinischen Geburtshilfe gibt es wenig Komplikationen. Bereits drei Wochen vor dem Geburtstermin ist die persönliche Hebamme in Rufsbereitschaft: Sie betreut die werdende Mutter bis das Kind da ist – auch wenn es mal ein bisschen länger dauert und die Wehen nicht enden wollen. Das medikamentöse Einleiten von Geburten, dass die Kuriosität in der Statistik hervorbringt, dass in Kliniken weniger Kinder an Sonn- und Feiertagen oder in der Nacht geboren werden, kommt den Hebammen nicht ins Geburtshaus. Auffällig ist auch, dass Frauen in Geburtshäusern in anderen Gebärpositionen ihr Kind zu Welt bringen. Laut einer Statistik des Bund freiberuflicher  Hebammen Deutschlands (BfHD) bringen Frauen im Krankenhaus 86,1 Prozent der Babys in horizontaler Lage auf die Welt, während unter 5 Prozent jeweils Vertikal, als Wassergeburt oder auf anderer Weise geboren werden. Im Geburtshaus ist es anders. Die meisten Frauen (36 Prozent) bringen ihre Kinder dort in Vertikaler Position, beispielsweise auf einem Gebärhocker, zur Welt. Lediglich 23,7 Prozent sind horizontale Geburten. Danach folgen Wassergeburten  (22,1 Prozent) und andere Geburten (18,2 Prozent).

Es ist ein Konzept, das sich bewährt und auf jahrtausende lange Erfahrungen aufbaut. „Hebammen gab es schon im alten Ägypten“, sagt Sitan. Damit könnte es zumindest das zweitälteste Gewerbe der Welt sein. Und Hebammen haben schon immer in der Gemeinschaft gearbeitet. Das wird im Geburtshaus gepflegt. „Die Geburten sind bei uns sehr individuell und ganz auf die Bedürfnisse der Frau abgestellt“, so die Hebamme. Auch die Nachbetreuung wird durch die Hebamme durchgeführt. Das kann bis zu einem Jahr gehen. Daneben werden im Geburtshaus verschiedene Kurse angeboten.

Die Sache hat natürlich einen Haken. Hebammen haben es nicht leicht wirtschaftlich zu bestehen. Allein die Haftpflichtversicherung kostet jährlich um die 7000 Euro. Weitere Steigerungen sind absehbar. Dazu muss man wissen, das Hebammen nicht gerade gut bezahlt werden. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) hat für alle Hebammen einen durchschnittlichen Stundensatz von 7,50 Euro ermittelt. Das hat dazu geführt, dass viele Hebammen ihren Beruf aufgegeben haben.

Bei den Elbhebammen ist man findig, um aus der Situation das Beste zu machen. Es ist ein Verein gegründet worden. so hat man die Möglichkeit spenden zu sammeln. Auch der Bürokratische Aufwand ist geringer. Zudem bieten die Elbhebammen im eigenen Laden Säuglingsausstattungen, den Elblädchen an. Es können auch Räume, beispielsweise für Kurse, gemietet werden. zv