Harburg  – Und täglich grüßt das Murmeltier: Im Viertel zwischen Technischer Universität und Goethe-Schule tobte gestern wieder der übliche Straßenkampf.

Mehrere Autofahrer, die Verkehrsregeln offenbar nur für Vorschläge und Verkehrsschilder für Deko halten, hatten ihre Pkw dort abgestellt, wo Platz war. Mitten im Einmündungsbereich zwischen Compeweg und Kerschensteinerstraße. Trotz absoluten Halteverbots.

Manchmal geht das gut, diesmal nicht: Ein Lkw-Fahrer, der Steine und Platten zu einer Baustelle im Ernst-Eger-Weg bringen sollte, kam nicht durch, steckte mit seinem 20-Tonner fest und rief die Polizei. Die kam auch schnell und alarmierte zwei Abschlepper.

Und nun eskalierte die Situation. Eine Lehrerin, die zum Unterricht in die „Kersche“ wollte, steckte mit ihrem Mercedes zwischen Abschleppwagen und Peterwagen fest, stieg aus und beschimpfte erst einmal den Lkw-Fahrer, dann den Fahrer eines Abschleppwagens. Viel half es ihr nicht.

Inzwischen kam einer der Parksünder zu seinem Auto, sah das Knöllchen an der Windschutzscheibe, beschimpfte die Polizisten, schmiss den Zettel demonstrativ weg und raste davon. Mit geschultem Blick stellten die Polizisten fest: „Der hat sich nicht angeschnallt.“ Die Nummern mussten sie sich nicht nochmal aufschreiben.

Als sich die Lehrerin beruhigt hatte, stellte sich heraus: Eine Reihe ihrer Kolleginnen hatten ihre Autos ebenfalls im Halteverbot abgestellt. Anwohner Axel Tiedtke: „Das fällt schon auf: Immer wenn Schulferien sind, gibt es hier keinen Ärger und genügend Parkplätze.“ Zurzeit gebe es im näheren Umfeld mindestens vier Baustellen. Da bleibe fast täglich ein Laster stecken.

Mehrere Anwohner hatten sich schon an Kommunalpolitiker gewandt und auf die Situation hingewiesen. Es sei kein Problem, dass die Lehrerinnen der beiden Schulen, TU-Studenten und immer mehr Pendler ihre Autos in dem Wohnquartier abstellten. Keiner habe das Recht auf einen Parkplatz vor der Haustür. „Aber wenn andere massiv durch Falschparker behindert werden und Entsorgungsfahrzeuge, Feuerwehr und Notarzt nicht mehr durchkommen, ist das kriminell“, sagt Anwohnerin Sabine Teschel. Es gebe doch in Harburg neuerdings extra Mitarbeiter, die Parksünder aufschreiben sollen: „Statt die Kunden vom Wochenmarkt mit ihren Knöllchen zu vergraulen sollten die mal lieber einen Schwerpunkteinsatz in Gebieten machen, wo die Sicherheit gefährdet ist.“ Schade, dass sich die Politik noch nicht gerührt habe. ag