1160419Gedenken1Harburg - Die Initiative Gedenken in Harburg und die Geschichtswerkstatt Harburg veranstalten am Sonnabend, 23. April, einen Rundgang zu den Gedenkorten mit Stolpersteinen

für Harburger Opfer des Nationalsozialismus. Treffpunkt für die Teilnehmer ist um 15 Uhr am Harburger Rathaus. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Rundgang endet nach etwa 75 Minuten am Herbert-Wehner-Platz.

„Meine Großeltern Julius und Clotilde Neufeld waren herzensgute Menschen. Dass ichsie, als sie sich vor ihrer Abreise nach Theresienstadt von uns verabschiedeten, nie wiedersehen würde, kam mir damals in meinem Alter von acht Jahren nicht in den Sinn.“ Diese Worte, die ihr Enkel Uwe Neufeld vor zwei Jahren bei der Einweihung der Stolpersteine für seine ermordeten Großeltern in der Hölertwiete 8 sprach, klangen wie ein verspäteter Nachruf.

Wie groß damals die Hoffnungen der Großeltern auf ein Wiedersehen mit ihrem Enkel waren, wissen wir 1160419Gedenkennicht. Die Nationalsozialisten hatten im Vorwege alles versucht, um die Betroffenen über den wahren Zweck der `Wohnsitzverlegung´ im Unklaren zu lassen. Sie hatten Theresienstadt zu einem idealen Wohnort für ältere Juden erklärt. Die alten Menschen hatten sogenannte Heimkaufverträge unterzeichnet, in denen sie ihr gesamtes Vermögen dem Deutschen Reich übertrugen, um in Theresienstadt einen wohlbehüteten und sorglosen Lebensabend verbringen zu dürfen.

"Dass diese Täuschung von vielen durchschaut wurde, zeigt die Tatsache, dass sich in diesen Jahren über 190 Jüdinnen und Juden in Hamburg das Leben nahmen. Theresienstadt war in Wirklichkeit ein Konzentrationslager, in dem die "Endlösung" vollzogen wurde", sagt Klaus Möller von der Inititive.  Hunger, Erschöpfung und unbehandelte Krankheiten forderten dort mehr als 30.000 Menschenleben; nahezu 90.000 Menschen wurden aus Theresienstadt in "Osttransporten" nach Auschwitz und in andere Stätten der nationalsozialistischen Mordmaschinerie gebracht. Möller: "Auch Uwe Neufelds Großeltern und drei ihrer Kinder überlebten den Holocaust nicht."

Gunter Demnig, der Schöpfer der Stolpersteine hat den Opfern nicht nur ihre Namen wiedergegeben, sondern sie auch an die Orte zurückgebracht, an denen sie lebten, bevor sie verschleppt und ermordet wurden. Mehr als 190 dieser kleinen Stolpersteine sind inzwischen auch im Bezirk Harburg in den vergangenen  13 Jahren verlegt worden.  (cb)