TUHHHauptgebHDR1Harburg – Ist Harburg für die Handelskammer Hamburg nur ein Standort zweiter Wahl? Dieser Eindruck drängt sich gelegentlich auf. Nun muss sich auf Antrag der Grünen

auch die Bezirksversammlung Harburg mit dem Thema beschäftigen. Der Anlass: Fraktionschefin Britta Herrmann hat sich noch einmal ausführlich mit der Rede von Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer zur „Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns“ beschäftigt, dabei ist ihr eine Passage zur Technischen Universität aufgefallen.

Melsheimer beginnt mit einem Lob, wird dann aber kritisch: „Gerade unsere Technische Universität hat das Potenzial, in die Top-Liga der europäischen technischen Universitäten vorzustoßen. Doch ist ihre Größe unterkritisch, zahlreiche naturwissenschaftliche Fächer fehlen ihr. Es muss intensiv darüber nachgedacht werden, wie sie gestärkt werden kann.“ Und Melsheimer macht auch gleich einen Vorschlag: „Ein zweiter Campus nördlich der Elbe würde ihre Verankerung auch im Selbstbild der Hamburger verstärken.“

Aus Sicht der Grünen steckt dahinter ein Harburg-Bild des vorigen Jahrhunderts, als sei „Harburg allenfalls gut für alles was stinkt und qualmt: Gummi, Pflanzen- und Mineralöl“. Sobald sich südlich der Elbe ein zukunftsweisender Wissenschaftsstandort entwickele, müsse dieses zarte Pflänzchen  zum Teil ausgerissen und nördlich der Elbe neu eingepflanzt werden.

„Dies geschah bereits bei der Kannibalisierung der TUHH durch die Gründung der HafenCity Universität“, sagt Britta Herrmann. „Die Harburg-Ignoranz der Handelskammer hat sich auch am Handelskammer-Konzept der HIP Hamburg Innovations Parks, bei dem Harburg nach Bahrenfeld und Bergedorf erst an dritter Stelle der Priorität steht, obwohl sich nur hier mit dem hit Technologiepark und in Finkenwerder bereits funktionierende Technologiequartiere entwickelt haben. Stärken stärken geht anders!“

Es gibt noch mehr Beispiele: Im Wirtschaftsausschuss der Bezirksversammlung hatten Christoph Birkel (hit Technopark), Dr. Helmut Thamer (damals noch TuTech) und Arnold G. Mergell (Hobum) im Oktober 2014 über ihre Idee „Tech Hub Harburg“ berichtet. Sie skizzierten den Versuch, den Innovationsstandort Harburg mit seinen mehr als 250 Unternehmen rund um TU, TuTech und hit Technologiepark besser zu vermarkten. „Was woanders noch geplant wird, gibt es hier schon lange“, hieß es damals. Zugleich warnten Birkel und seine Mitstreiter aber davor, allzu sehr für den Standort Harburg zu trommeln. Dies könne „Hamburg verärgern“. ag

Veröffentlicht 8. März 2016