151029SchlichtFischbek –  Der nächste Schritt ist getan, ein weiteres großes Areal mit Logistikbetrieben direkt neben einem Wohngebiet zu verhindern: Die Bezirksversammlung hat beschlossen,

für das Gebiet Sandbek-West ein Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans einzuleiten. Auf rund 37 Hektar sollen nun zwischen der Sandbek-Siedlung und Neu Wulmstorf nördlich der  B73 ein Wohnquartier und ein Gewerbegebiet entstehen. 2007 hatte der damalige Senat noch beschlossen, nahezu die gesamte Fläche für die Ansiedlung von Logistikbetrieben zu nutzen.

Der Bezirk Harburg hat sich immer gegen diesen Plan gewehrt – weil zum Beispiel nicht klar war, auf welchem Weg die Lkw das Gebiet anfahren und wieder verlassen sollten. Eine direkte Anbindung an die geplante Moorautobahn A26 war jedenfalls nie geplant, so dass eine zusätzliche Belastung der B73 drohte. Deshalb hatten sich SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag auf diese Formulierung geeinigt: „Die Koalitionspartner sind sich einig, dass auf diesen Flächen eine Logistiknutzung abgelehnt wird. ... Vorstellbar ist auf diesen Flächen eine nicht störende Gewerbe- und Wohnnutzung, um die umgebenden Wohngebiete in Sandbek und auf der ehemaligen Röttiger-Kaserne sowie in Neu Wulmstorf nicht mit Lärm und Schwerlastverkehr zu belasten.“

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Das Baugebiet für Schlichtwohnungen. Foto: zv

Jetzt kommt die aktuelle Situation der GroKo zu Hilfe. Der Senat sucht dringend Flächen, auf denen er auf die Schnelle pro Bezirk Schlichtwohnungen für rund 4000 Geflüchtet bauen kann – wohlgemerkt: Gesucht werden keine Standorte für neue provisorische Unterkünfte, gesucht werden Wohnungen für Menschen, die auf Dauer in Deutschland bleiben dürfen, aber kaum Chancen auf dem ohnehin gespannten Wohnungsmarkt hätten. Deshalb sollen die Schlichtwohnungen zunächst 15 Jahre ausschließlich Geflüchteten vorbehalten bleiben, erst dann sollen sie für alle zu mieten sein.

Mit einer Ausnahme! Der Senat erkennt nämlich an, dass der Bezirk Harburg mit der geplanten Massenunterkunft im Bereich Aschenland schon viel für die Unterbringung der Geflüchteten leistet. Daher soll die auf 15 Jahre befristete Exklusivvergabe an Geflüchtete in Sandbek-West nicht gelten. Diese Wohnungen sollen auf dem freien Wohnungsmarkt vergeben werden.

Einzig die beiden FDP-Abgeordneten wollten diesem Antrag der GroKo nicht zustimmen. Sie verstanden einige Formulierungen in der Senatsdrucksache zu den Schlicht-Wohnquartieren anders als die anderen Abgeordneten und hegen den Verdacht, dass auch Sandbek-West vor allem für Flüchtlinge gebaut wird. ag