HarburgHarald Muras, Rechtsanwalt und langjähriger SPD-Kreisvorsitzender, ist 73 Jahre alt. Das hält ihn aber nicht davon an, wie seine Altersgenossen Mick Jagger

oder Keith Richards von den Rolling Stones als Frontmann einer Rockband aufzutreten. Vor dem Auftritt seiner Band Working Advocates in Werner Pfeifers Fischhalle war er sich allerdings nicht ganz sicher, ob er noch die große Zugnummer ist. Er ist es noch, ein Blick in die Runde, in der es bald nur noch Stehplätze gab, ließ indes den Eindruck aufkommen, man wollte eigentlich nur den Altgenossen Muras noch einmal auf der Bühne sehen – egal, was er als Rocksänger drauf hat. Harburgs ehemaliger Bezirksamtsleiter und Ex-Staatsrat Helmut Raloff saß im Publikum, an einem Tisch, mit dem Rücken zur Bühne, umgeben von ein paar SPD-Altvorderen wie dem Ehepaar Karin und Heiner Schultz (beide weit über 80 Jahre alt), dazu aktuelle und abgewählte Bürgerschaftsabgeordnete und ein paar Bezirksabgeordnete. Es war wie auf einem SPD-Klassentreffen.

Dann legte der Drummer los, schlägt die Basstrommel hart auf jeden Beat. Pretty Woman! Roy Orbison. Das kennt man. Und der Drummer kommt einem auch irgendwie bekannt vor. Vielleicht aus dem Fernsehen? Richtig: Stubbe. Von Fall zu Fall. Johannes Stolt, der Schauspieler. Und jetzt neben Michael Petersen und Volker, dem Sohn von Frontmann Harald, ein Working Advocate.

Dann Memphis Tennessee von Chuck Berry, For ever Young von „einem Nobelpreisträger“, alles zum Mitsingen. Richtig cool sind die langsamen Nummern wie I got the Blues vom Stones-Album Sticky Fingers. Nicht immer klingt alles sauber, manchmal sind sich die Musiker nicht ganz einig. Und ein Bühnenderwisch wie Mick Jagger ist Harald Muras wirklich nicht, denn manchmal war er einfach schlapp und musste im Sitzen weiter musizieren. Egal: Perfektion ist langweilig. Es war ein unterhaltsamer Abend! ag