150107PumpwerkNeugraben –  Dass die Planer der IBA Hamburg GmbH künftig die Entwicklung der beiden großen Projekte des Wohnungsbaus im Hamburger Süden – Vogelkamp  und

Fischbeker Heidbrook – vorantreiben sollen, war eine gute Nachricht. Das ließ neue frische und vor allem zeitgemäße Ideen für die beiden Quartiere erwarten. Nach einem Jahr zeigt sich, dass die Planer die Erwartungen durchaus erfüllen, allerdings müssen sie im Stadtplanungsausschuss einen zähen Kampf gegen die Bezirkspolitiker führen und manche Idee auch wieder begraben.

Vor allem die Vertreter der GroKo haben sich offenbar ein kompromissloses „Weiter so!“ auf die Fahnen geschrieben – allen voran CDU-Chef Ralf-Dieter Fischer. Sein Credo bei der Stadtplanung: „Keine Experimente!“ Ob er da noch den Slogan der CDU für den Bundestagswahlkampf von 1957 im Ohr hat?

Jüngstes Beispiel: Karen Pein, IBA-Stadtentwicklerin, hat im Stadtplanungsausschuss vorgeschlagen, im nächsten Bauabschnitt des Vogelkamps (früher: Elbmosaik) Häusergruppen mit einer großzügigen Wendeschleife zu erschließen, in deren Mitte Platz für eine Rasenfläche, Bänke, vielleicht auch für einen Grillplatz ist. So könnte für die Nachbarn ein netter Treffpunkt oder gemeinsamer Ort entstehen. Der Clou: Diese Flächen sollten beim Häuserkauf gleich mit erworben werden, pro Haus würde das eine Mehrbelastung von geschätzt 5000 Euro ausmachen. Die Eigentümer müssten dann auch für die Pflege der Gemeinschaftsfläche sorgen und nicht darauf warten, dass sich Mitarbeiter der ohnehin klammen Abteilung Stadtgrün des Bezirksamts blicken lassen. Nicht nur für Karen Pein könnte das den Zusammenhalt der Nachbarn fördern und womöglich auch andere Käuferschichten in den Hamburger Süden locken.

Aber Ralf-Dieter Fischer will das nicht: „Darüber muss noch einmal vernünftig nachgedacht werden. Bitte keine Experimente!“ Seine Sorge: „Was ist, wenn  sich die Nachbarn erzürnen oder wenn irgendwann neue Eigentümer auftauchen?“

Und auch in einem anderen Detail blieb Fischer hart: Laut Bebauungsplan sollen im südlichen Teil Wohnhäuser mit drei Geschossen plus Staffelgeschoss (hier dürfen nur zwei Drittel der Fläche zum Wohnen genutzt werden) entstehen. Da sie die Kante zum Park bilden, müssten die Staffelgeschosse aus gestalterischen Gründen nach Süden ausgerichtet werden. Mit anderen Worten: Die kleinen Dachterrassen auf einem Drittel der Fläche würden auf der Nordseite angelegt. Wer will das schon? Deshalb schlug Karen Pein vor, statt des Staffelgeschosses ein viertes Vollgeschoss zu erlauben. Aber nicht mit Fischer! Er will auch, dass die Baukörper der Häuser nicht zu lang werden. Begründung: „Man kann den Kindern nicht zumuten, auf dem Weg zum Spielplatz um zu lange Gebäude herumzulaufen.“

Einig waren sich alle, dass die Erschließungsstraße im Norden ziemlich gerade und auch noch ziemlich lang sei. „Das verleitet zum Rasen“, sagte Dagmar Overbeck von der SPD. Eine Unterbrechung der Straße wäre zu aufwändig, weil dann extra Wendehammer angelegt werden müssten. Jetzt soll die Straße durch versetzte Baumscheiben enger gemacht werden.

Schließlich bekam Baudezernent Jörg Penner noch einen Arbeitsauftrag. Er soll sich Gedanken machen, wie das schon jetzt vorhandene Pumpwerk mitten in der Siedlung optisch aufgehübscht werden kann. Und man soll es auch möglichst wenig riechen. ag

Veröffentlicht 7. Dezember 2015