131023SteleHarburg – Bisher erinnerte nur ein heruntergekommener Schaukasten an die beiden ersten Opfer des Nationalsozialismus in Harburg. Jetzt ist in einer kleinen Feierstunde

auf dem Herbert-Wehner-Platz ein Denkmal zu Ehren von Martin Leuschel und Karl Karcz enthüllt worden. In kurzen Ansprachen gedachten Bezirksamtsleiter Thomas Völsch, die neue Hamburger DGB-Vorsitzende Katja Karger und Jan Eulen, Leiter des Bezirks Hamburg/Harburg der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), der beiden ermordeten Gewerkschafter.

Die aus eloxiertem Aluminium gefertigte Stele ist 2,40 Meter hoch und 60 Zentimeter breit. Auf 1,95 Metern sind beidseitig Texte und Bilder eingraviert. Sie erinnern  an die Ereignisse des 7. Februar 1933. Nur eine Woche nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, hatten SA-Leute vor dem Harburger Arbeiterlokal „Stadt Hannover“ den jungen Metallarbeiter und Kommunisten Martin Leuschel erschossen. Die Attentäter trafen auch den Sozialdemokraten Karl Karcz. Er erlag einige Wochen später seinen Verletzungen.

„Auch wenn diese Ereignisse schon ein paar Jahrzehnte zurückliegen, die Gefahr ist immer noch greifbar nahe“, sagte Völsch. Das habe die furchtbare Mordserie der rechtsradikalen NSU gerade wieder gezeigt. Die Bezirksversammlung hatte die Aufstellung der Stele unterstützt, allerdings gegen den Willen der CDU-Vertreter. Sie waren der Ansicht, der Martin-Leuschel-Ring und der Karczweg reichten zur Erinnerung an die ersten Opfer der Nazis in Harburg aus.

Die Texte auf der Stele erinnern auch an die Zerschlagung der Gewerkschaftsbewegung durch die Nationalsozialisten. Am 2. Mai 1933 hatten Nazi-Schlägertrupps die Gewerkschaftshäuser gestürmt. Eine freie Arbeitnehmervertretung gab es ab sofort nicht mehr – Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten wurden verfolgt, Tausende fanden den Tod.

Dies ist auch Thema der Ausstellung „Zerschlagung der Mitbestimmung 1933“, die gleichzeitig im Harburger Rathaus eröffnet worden ist. Die gemeinsame Aktion des DGB, der Hans-Böckler-Stiftung und der Friedrich Ebert Stiftung dokumentiert bis zum 8. November das Ende der ersten deutschen Betriebsdemokratie, mit dem nach der Zerstörung der parlamentarischen Demokratie durch das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 das Schicksal der Weimarer Republik endgültig besiegelt wurde. ag